Ein kurzer Rückblick

1869 Die Königlich-Bayersiche Staatsbahn errichtet in "Kirchseeon-Station" im Rahmen der Baumaßnahmen für die Bahnlinie zwischen München und Rosenheim ein Fabrik zur Herstellung von Bahnschwellen. Die benötigten Fichtenschwellen wurden hier durchtränkt, um ihnen eine größere Lebensdauer zu verleihen. Durch ein besonderes hier entwickeltes Imprägnierverfahren erlangte Kirchseeon in Fachkreisen internationale Bekanntheit. In den Folgejahren bis nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Werk ständig räumlich und maschinell erweitert, bis es eine Größe von ca. 200.000 m² erreicht hatte
1956

Der Betrieb des Bahnschwellenwerkes wird eingestellt. Der größte Teil des Geländes (ca. 170.000 m²) werden an den FIAT-Konzern verkauft. Der Konzern nutzt das Gelände bis Mitte der 80er Jahre als Auslieferungslager für die eingeführten PKW und LKW, die hier entkonserviert werden. Noch immer ist er Eigentümer des Geländes, das von der Fiat-Tochter EFFE-Grundbesitzgesellschaft mbH verwaltet wird.
Ein schmales Grundstücksband von ca. 30.000 m² entlang der Bahnlinie bleibt Eigentum der Bahn und gehört heute zum "Bundeseisenbahnvermögen", dessen Dienstherr der Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig ist.

1990

Im Rahmen der Überlegungen hinsichtlich einer sinnvollen Nutzung für das zentral gelegene Gelände werden Altlastenuntersuchungen durchgeführt. Die Untersuchungen zeigen erhebliche Belastungen des Geländes durch Steinkohleteeröle (PAK) und Schwermetalle, insbesondere Quecksilber und Zink.

1991

FIAT-IVECO erklärt sich bereit, sich an der Sanierung zu beteiligen und läßt ein Konzept für die Grundwasser- und Bodenentgiftung ausarbeiten. Gleichzeitig ordnet das Landratsamt Ebersberg der Bundesbahn gleichartige Untersuchungsmaßnahmen an, worauf die Bahn den Klageweg beschreitet.

1992

Aufgrund der bereits vorliegenden Meßergebnisse erläßt das Gesundheitsamt wegen akuter gesundheitlicher Gefährdung ein Betretungsverbot für das Gelände.

1995

Das Bundesverwaltungsgericht stellt die Rechtskraft der Anordnung des Landratsamtes fest und verpflichtet die Bahn zur Durchführung von Altlastenuntersuchungen. Grundwasserentnahmestellen werden im gesamten Gemeindegebiet installiert.

1998

Die weiteren Untersuchungen zeigen neben allgemeiner Verunreinigung und Verseuchung des Grundwassers drei schwerstbelastete Flächen. Verhandlungen zwischen der Bahn, IVECO und dem Landratsamt über Art und Umfang der Sanierungsmaßnahmen beginnen.

2000

Nach zähen aber ergebnislosen außergerichtlichen Verhandlungen will Landrat Hans Vollhardt eine behördliche Anordnung erlassen, durch die die Bahn zur Errichtung weitere Meßstellen und zur Vorlage eines Sanierungskonzeptes gezwungen werden soll. Bereits bevor die Anordnung rechtskräftig erlassen wird, kündigt die Bahn abermals Widerspruch an. Die Bürgerinitiative formiert sich.