Bürgerinitiative am 18.06.2003

Bahnschwellenwerk

Und im Jahr 2205 werden die Pumpen abgestellt?

Nun wissen wir also, was wir stets befürchtet haben: dass finanzielle Gründe die Regie führen bei der Beseitigung der Giftlasten auf dem einstigen Kirchseeoner Bahnschwellenwerk. Zu Recht bezeichnen Fachleute vom Wasserwirtschaftsamt den Vorschlag des Bundeseisenbahnvermögen (BEV), 20 Jahre lang das Grundwasser einer Pumpreinigung zu unterziehen, als unrealistisch kurz. Man müsse den fünf bis zehnfachen Zeitraum veranschlagen, sagt man beim Wasserwirtschaftsamt. Das könnte bedeuten, dass im Jahr 2205 die Pumpen abgestellt werden. Als landkreisweit agierende Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" warnen wir nur eindringlich: Wer eines Tages auch immer diesen faulen Wechsel für künftige Generationen unterzeichnet, muß sich vor künftigen Generationen für seine Zustimmung für ein derart verantwortungsloses Vorgehen verantworten. Die Bahn der Vergangenheit war der Umweltverschmutzer und versucht nun ihren Schaden über einen Zeitraum von 100 bis 200 Jahren zu reparieren? Wir empfinden dieses Ansinnen als beispielslose Dreistigkeit!

Doch nochmals zu den Fakten: Teeröle und Schwermetallverseuchungen sind im einstigen Bahnschwellengelände ausgiebig erforscht. Der Vorschlag des Gutachterbüros "Geodata" lautet: Grundwasser hochpumpen, filtern und wieder dem Grundwasserstrom zuführen. Dort, wo im Bereich der einstigen nördlichen Imprägnieranlage aufgrund von Bebauung nichts anderes machbar ist, mag dies angehen. Auf den südlichen Brachflächen jedoch muss mehr geschehen, wenn sich die politisch Verantwortlichen nicht den Vorwurf einhandeln wollen, künftigen Generationen ein giftiges Ei ins Nest gelegt zu haben. Das Pumpverfahren ist eine Notlösung, die dort angebracht ist, wo z.B. wegen Bebauung nichts anderes machbar ist. Ansonsten ist die Pumplösung Umweltschutz nach dem Zufallsprinzip. Denn nur was sich zufällig innerhalb des Vertragszeitraumes in die Filterpumpen der Sanierungsunternehmen verirrt, kann auch ausgefiltert werden! Vergleichen lässt sich das Vorgehen mit einer Langzeitwaschmaschine, deren Waschzyklus statt einer Stunde beispielsweise bis zu 200 Jahre beträgt. Von oben fließt das Wasser, sprich der Regen zu, durchströmt das Erdreich und am Abfluss wird der Schmutz aus dem Abwasser gefiltert. Bis eines fernen Tages, vielleicht nach 150 oder 200 Jahren, ein verantwortlicher im Landratsamt feststellen wird, dass das hochgepumpte Wasser seit Monaten keine Gifte enthält. Nach einem solchen Befund könne man die Pumpen abschalten und demontieren.

Wenn beim Abpumpen das Wasser giftfrei ist, sagt dies jedoch noch nichts über den Giftgehalt des Erdreichs aus. Hat es beispielsweise wochenlang nicht geregnet, wird kein neues Teeröl zu den Pumpen geschwemmt. Wir möchten mit diesen Visionen das Verfahren an sich nicht schlecht machen, nein, wir wollen nur darauf verweisen, dass eine solche Art der Grundwasserfilterung nicht ausreicht, um die Giftmengen aus dem Kirchseeoner Boden zu beseitigen!

Die Grundforderung der Bürgerinitiative, von mehr als 6000 Bürgern unterzeichnet, nämlich eine komplette Beseitigung der Gifte, ist damit nicht annähernd zu erreichen. Die Gefahr, dass das Gelände für künftige Generationen nicht nutzbar ist, nicht auszuschliessen. Ebenso die Gefahr, dass die Pumpreinigung zwar generationenlang läuft, aber letztlich doch nicht die gewünschte Reinheit für das ausströmende Grundwasser erzielt. Die vom Wasserwirtschaftsamt geäusserte Befürchtung, dass die in der Machbarkeitsstudie genannten 20 Jahre Pumpreinigung um den Faktor fünf bis zehn überschritten werden, wenn nicht zusätzliche Maßnahme verwirklicht werden, sind ein Alarmsignal. Wir appellieren an alle politisch Verantwortlichen, sich für eine zukunftsweisende und umfassende Sanierung einsetzen. Mit den veranschlagten 20 Jahren Pumpreinigung betreibt man Augenwischerei. Versucht man die Kosten einer Pumphase auf 100 oder gar 200 Jahre zu berechnen, dann versagen einerseits sämtliche Kalkulationsinstrumente, weil es vergleichbares nicht gibt und andererseits wird deutlich, welche Gefahren drohen: Wer kennt nach einem Zeitraum von 80 Jahren noch die Details? Welche Auswirkungen hat eine solches Szenario auf die Ortsentwicklung? Wird es wirklich in der Gesamtkostenrechnung billiger, wenn man 150 oder 200 Jahre Pumpen laufen lässt, wartet, kontrolliert und ein äußerst fragwürdiges Ergebnis erreicht?

Schon heute möchten wir den Verantwortlichen in den Behörden die Frage stellen, wie man den nachfolgenden Generationen erklären möchte, weshalb man sich im Jahr 2003 auf ein Verfahren einließ, das die Gefahr in sich birgt, ein historisches Versäumnis zu schaffen, für das nachfolgende Generationen kein Verständnis haben werden.

Die Gifte müssen umfassend beseitigt werden, um eine Nutzung des Geländes für künftige Generationen zu ermöglichen. Nur durch die Gewinnung eines Investors ist gesichert, dass die Teeröle und Quecksilbermengen aus dem Boden des einstigen Schwellenwerkes auch beseitigt werden. Man mag sich von amtlicher Seite auf die Tatsache berufen, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten wurden - dem Prinzip der Nachhaltigkeit entspricht der aktuelle Sachstand keinesfalls!

Die für den 26. Juni vom BEV geplante Informationsveranstaltung im Rathaus Kirchseeon (Beginn 19.30 Uhr) ist für alle verantwortungsbewußten und zukunftsorientierten Bürger eine Gelegenheit, den Verantwortlichen die drängenden Fragen persönlich zu stellen. Wir, die Bürgerintiative Wasser ist Leben hoffen auf Ihre Teilnahme!

PS: Wir haben uns in der Öffentlichkeit darüber Beschwerd, dass wir bisher keinen Einblick in die Machbarkeitsstudie erhielten. Man sicherte uns diesen zu und veranlasste bei GeoData uns ein Exemplar zukommen zu lassen. Trotz Mahnung warteten wir noch heute (16. Juni 2003) darauf! Was wollen die Gutachter vor der Öffentlichkeit verbergen?


letztes Update dieser Seite am 18.06.2003 vom Webmaster