Hallo vom 11. Juli 2000

Bürgerprotest nimmt Gestalt an

Großes Interesse an Kirchseeoner Bürgerinitiative für Sanierung des Fiatgeländes

Einen wahrhaft großen Stein ins Rollen gebracht haben Susanne Schmidt, Ida Gaier und Diana Thalhammer mit ihrem Protest gegen die Untätigkeit der Bahn bei der Sanierung des Fiat-Geländes. Den drei Initiatorinnen, die von einem Film im Bayerischen Fernsehen über das Altlastenproblem im Kirchseeoner Fiatgelände aufgeschreckt worden waren, ist es sehr schnell gelungen, viele Mitstreiter in der Kirchseeoner Bürgerschaft zu finden. Bereits mehrere hundert Kirchseeoner haben die Strafanzeige gegen Unbekannt unterschrieben, die dazu beitragen soll, für schnelles Handeln zu sorgen.

Am letzten Freitag im Juni war der große Saal des Gasthofs Brückenwirt in Kirchseeon bis auf den letzten Platz besetzt, als sich die neue Bürgerinitiative zum ersten Mal offiziell traf. Hermann Will, der Mann für Öffentlichkeitsarbeit, begrüßte die Gäste und erläuterte noch einmal ausführlich den Zweck des Bürgerbündnisses. Es könne und dürfe nicht sein, daß jeder Normalbürger penibel alle Umweltvorschriften beachten müsse und für einen Großkonzern wie die Deutsche Bahn die Gesetze anscheinend etwas weniger gelten. Nachdem bei den letzten Messungen zweifelsfrei festgestellt worden war, daß mittlerweile die Giftstoffe des Fiat-/Iveco-Geländes sogar ins Grundwasser gelangt seien, stünden die Zeiger der Uhr wirklich schon auf fünf vor zwölf. Es sei jetzt geboten sofort zu handeln, um ohne jegliche weitere Verzögerung das Grundwasser und damit auch das Trinkwasser zu reinigen und vor weiteren Schäden zu bewahren.

Übel riechende Brühe

Die Besucher konnten sich anhand einer Wasserprobe selbst davon überzeugen, wie unangenehm der klebrige Teer- und Ölfilm stinkt, der mittlerweile auf dem Grundwasser schwimmt. Es handle sich hier "um eine tickende Zeitbombe", meinte Will, und es sei unverantwortlich zu warten, bis die ersten Trinkwasserbrunnen belastet seien. Er wolle durchaus keine Panik machen, aber die Arbeiten müssten sofort beginnen. Kirchseeon selbst sei davon zwar momentan nicht betroffen, aber durch längere Dürreperioden oder andere Ereignisse könnten sich auch Grundwasserströme verändern, und es könnten auch die gemeindlichen Brunnen in Gefahr geraten. Natürlich dürfe es auch nicht angehen, daß durch eine Kirchseeoner Altlastenfläche die Trinkwasserbrunnen der Nachbargemeinden Markt Schwaben, Anzing oder Ebersberg gefährdet würden.

Die Bürgerintiative begrüßt deshalb ausdrücklich den vom Landratsamt Ebersberg angeordneten Sofortvollzug zur Sanierung des Grundwassers. "Die Bundesbahn besitzt die Frechheit, sich in jeglicher Form auf den Rechtsweg einzulassen", meinte Hermann Will mit Bezug auf den angekündigten Widerspruch des Bahnanwalts Dr. Matthias Dombert. "Mit welcher Arroganz traut man sich, die Lebensgrundlagen zu versauen?", kommentierte Will dieses Vorgehen. Die Bürgerinitiative will die Menschen in Kirchseeon und den Nachbargemeinden für das brennende Problem sensibilisieren und mit entsprechendem Druck eine sofortige umfassende Sanierung des alten Schwellenwerk-Areals erreichen.

Name gesucht

An diesem Abend wurde beschlossen, dass die Bürgerinitiative als eingetragener Verein arbeiten soll. Damit sollen sowohl die persönliche Haftung einzelner Mitglieder ausgeschlossen werden, als auch die Möglichkeiten zur Ausstellung von Spendenquittungen, zur Eröffnung eines Kontos oder zur Einsicht in Akten gewährleistet werden. Die Diskussionen über den Mitgliedsbeitrag, die Satzung und den künftigen Namen nahmen einige Zeit in Anspruch. Man wollte einen niedrigen Beitrag - zur Diskussion stehen 24,-- Mark pro Jahr - ansetzen, um möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen. Namensvorschläge wie der an diesem Abend favorisierte "Schützt das Trinkwasser in unserem Landkreis Ebersberg" waren einigen Besuchern nicht prägnant und griffig genug, und der Vorschlag "Wasserschutzpolizei" stieß auf rechtliche Bedenken. Alle Bürger sind aufgefordert, sich an der Namenssuche zu beteiligen, und spontan lobte ein Besucher der Veranstaltung als Preis für den endgültigen Vereinsnamen einen Rundflug mit einem Motorsegler über Kirchseeon aus. Namensvorschläge können bei Susanne Schmidt, Forstseeoner Straße 6d, 85614 Kirchseeon, Tel. 08091 / 51 97 29 eingereicht werden.

Das Thema Sanierung des Fiatgeländes hat nicht zuletzt durch die Bürgerinitiative eine zusätzliche Belebung erfahren. Am Dienstag dieser Woche traf sich der Kirchseeoner Gemeinderat zu einer Sondersitzung, und am morgigen Donnerstag, den 13.Juli, findet um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim in der Fritz-Litzlfelder-Straße in Kirchseeon eine Podiumsdiskussion mit Umweltstaatssekretärin Christa Stewens, Landrat Hans Vollhardt, Bürgermeisterin Uschi Bittner und Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes und der Bahn statt (HALLO-Berichte zu beiden Veranstaltung folgen). Am Donnerstag, den 20. Juli, trifft sich die Bürgerinitiative zur konstituierenden Sitzung des Vereins um 20.00 Uhr im Gasthof Brückenwirt. (kk/wmh)

Bildunterschrift:

Chip von KW 26 - Bild Nr.: 826

Mehr als 60 Kirchseeoner, die sich über das Verhalten der Bahn bei der dringend notwendigen Sanierung des Fiatgeländes empörten, trafen sich Ende Juni zur Gründung einer Bürgerinitiative im Gasthof Brückenwirt.