Hallo vom 27. Juli 2000

Schwenk im Gemeinderat

Kirchseeons CSU kehrt zu gemeinsamer Position zurück

Das verseuchte Kirchseeoner Fiat-/Iveco-Gelände sorgt derzeit fast täglich für Schlagzeilen in der Marktgemeinde. Eine Veranstaltung jagt die andere, und auch der Gemeinderat beschäftigte sich in einer Sondersitzung, zu der auch die Fachleute des Landratsamtes Ebersberg, Anton Blank und Margit Egner, eingeladen waren, in der vergangenen Woche erneut mit der Zukunft des Areals,.

Bürgermeisterin Uschi Bittner sah die Notwendigkeit einer zusätzlichen Sitzung, da in letzter Zeit der Eindruck entstanden sei, dass eventuell ein großer Teil des Gemeinderats nicht mehr hinter den bisher vereinbarten Zielen und erarbeiteten Bebauungskonzepten stehe. Für die Gespräche und Verhandlungen mit interessierten Investoren sei es für sie jedoch wichtig, eine verbindliche Stellungnahme zu den Vorstellungen der Gemeinde hinsichtlich des Bebauungsplans abgeben zu können.

Widersprüchliche Aussagen

Äußerung der örtlichen CSU in der regionalen Presse und dem an alle Haushalte verteilten Infoblatt "Kirchseeoner Notizen" vom Juni hätten den Eindruck erweckt, dass die CSU keinerlei Bebauung des verseuchten Geländes im Zentrum des Ortes mehr wolle, sondern sich mit einer Versiegelung des Areals, der sogenannten "Deckellösung" begnüge. Wenn man sich im Gemeinderat in dieser Sache nicht einig sei, könne sie sich die Gespräche mit Investoren schenken, meinte Uschi Bittner.

Die Fachleute des Landratsamtes erläuterten nochmals ausführlich die Sanierungsanordnung, die Landrat Hans Vollhardt im Mai erlassen hatte, um die Bahn und ihre Rechtsnachfolger jetzt endlich zum Handeln zu zwingen. Anton Blank betonte, dass diese Anordnung keineswegs eine Komplettsanierung des Gebiets vorsehe, sondern nur dem Schutz des gefährdeten und bereits verseuchten Grundwassers diene. Um das Wasser dauerhaft zu sanieren, reiche es jedoch nicht aus, dieses heraufzupumpen und mittels Aktivkohle zu reinigen, sondern es müsse gleichzeitig gewährleistet sein, dass kein neuer Eintrag von Schadstoffen aus dem Erdreich erfolge. Hierzu müsse entweder das Erdreich gereinigt werden oder eine "Immobilisierung" durch einen Deckel erfolgen. Durch den Deckel könne der Regen keine weiteren Schadstoffe auswaschen und ins Grundwasser einbringen. Auch bei dieser Lösung seien allerdings weiterhin Auswaschungen des bis in 34 Meter Tiefe verseuchten Erdreichs durch den unterirdisch fließenden Grundwasserstrom möglich.

Erblast für künftige Generationen

Bürgermeisterin Uschi Bittner betonte, dass ihr persönlich eine Deckelvariante auch keinesfalls ausreiche, da dies keine dauerhafte Lösung, sondern lediglich eine zeitliche Verschiebung der Probleme sei. Im Zuge der Nachhaltigkeitsforderung der Agenda 21 sei es nicht sehr verantwortungsvoll, die Schadstoffe für einer paar Jahrzehnte einzukapseln und die endgültige Entsorgung den zukünftigen Generationen zu überlassen. Anzustreben sei ihrer Meinung nach eine möglichst vollständige Entgiftung von Wasser und Boden. Für diese umfassende Sanierung werde sich jedoch nur dann jemand finden, wenn man ihm im Gegenzug Baurecht zubillige.

Dramatisch und skandalös

Fraktionssprecher Peter Kohl (CSU) sprach von Mißverständnissen in Bezug auf öffentliche Äußerungen und im Mitteilungsblatt seiner Partei. Er betonte, dass die CSU-Fraktion nach wie vor zu dem vom Gemeinderat zusammen mit den Agenda-Arbeitskreisen erarbeiteten Bebauungskonzept stehe und war bereit, dies in einer neuen Abstimmung zu zeigen. Ausdrücklich unterstützte er die Sofortanordnung von Landrat Hans Vollhardt, da man sich die ständige Verzögerungstaktik der Bahn nicht weiter bieten lassen könne. Für ihn habe auch noch nicht jeder Bürger die tatsächliche Dramatik erkannt, die in dem Gebiet stecke und die sich in zigtausendfachen Überschreitungen von Grenzwerten für das Wasser widerspiegle. Es sei für ihn ein absoluter Skandal, wie sich das Bundeseisenbahnvermögen hier verhalte, und dieser Skandal müsse überregional bekannt werden.

Alle Fraktionen faßten nach der Diskussion den einstimmigen Beschluß, dass eine dauerhafte und nachhaltige Sanierung auf dem gesamten Gelände des ehemaligen Schwellenwerks erfolgen müsse. Die Grundwassersanierung sei dabei zwar vordringlich, aber für die Sicherstellung der Gesundheit der Bevölkerung nicht ausreichend. Es müsse unbedingt auch eine umfassende Boden- und Boden/Luft-Sanierung erfolgen, und die Sanierungsziele seien vor Erstellung eines Bebauungsplans mit Hilfe eines unabhängien Umweltinstituts genau zu definieren. (kk/wmh)