Hallo vom 1. Februar 2000

Durchbruch für Fiat-Gelände?

Vertrag soll in dieser Woche unterzeichnet werden

Wieder einmal scheint sich ein Hoffnungsschimmer für die Sanierung des verseuchten Kirchseeoner Fiat-Geländes abzuzeichnen, und wieder einmal verzögert die Bahn ihre Entscheidung bis zur letzten Minute. Der 31. Januar 2001 war vom Landratsamt Ebersberg als letzter Termin gesetzt worden, um doch noch mit den Verantwortlichen der Bahn zu einer vertraglichen Lösung zur Sanierung des verseuchten Grundwassers zu kommen. Sollte der Vertrag bis zu diesem Zeitpunkt nicht zustande kommen, wollte Landrat Hans Vollhardt die noch notwendigen Untersuchungen mit Kosten in Höhe von mehreren hunderttausend Mark in eigener Regie des Landkreises in Auftrag geben, und er hatte sich dazu bereits vorab die Zustimmung des Kreistags geholt.

Wieder einmal pokerte die Bahn bis zum Schluss, und reizte die gesetzte Frist fast vollständig aus. Erst Ende letzter Woche gab sie bekannt, dass der Vertrag zwischen dem Bundeseisenbahnvermögen und dem Landkreis jetzt doch am Freitag, den 2. Februar, in Ebersberg unterzeichnen werden solle. Damit wäre dann tatsächlich ein erster wichtiger Schritt zumindest in Richtung der Grundwassersanierung getan. Nach den noch erforderlichen Bohrungen und Untersuchungen muss ein schlüssiges Entsorgungskonzept erarbeitet und mit den verantwortlichen Behörden abgestimmt werden. Bis dann endlich die Bagger anrücken und tatsächlich mit der Sanierung begonnen wird, müssen die Kirchseeoner wohl mindestens noch mehr als ein Jahr warten.

Erfolg der Bürgerinitiative

Wenn die Bahn sich jetzt ausnahmsweise einmal tatsächlich an ihre Zusagen hält und nach 10 Jahren endlich einmal etwas passieren sollte, dann darf sich wohl die Kirchseeoner Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" einen Großteil des Erfolges auf ihre Fahnen schreiben. Seit vielen Monaten sind sie unermüdlich tätig, um die Bürger Kirchseeons und der Nachbargemeinden über die vorhandene Gefahr im Grundwasser und die drohende Verschmutzung des Trinkwassers aufzuklären. Bei Bürgermeistern, dem Landrat, Landtags- und Bundestagsabgeordneten, Behörden und Ministerien bis hinauf nach Berlin wurden sie vorstellig, um Unterstützung für ihr Sanierungsanliegen zu finden. Die Bundestagsabgeordneten Josef Hollerith (CSU) und Ewald Schurer (SPD) sagten der Initiative zu, sich beim Verkehrsministerium, der Bahn und dem Bundeseisenbahnvermögen für schnelle Entscheidungen einzusetzen.

Wasserprobe überzeugt

Zum Neujahrsempfang des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber hatten Susanne Schmidt und Ida Gaier, zwei der aktiven Initiatorinnen der Bürgerinitiative, eine übelriechende Probe des Kirchseeoner Grundwassers mitgenommen, und es gelang ihnen tatsächlich, diese dem Ministerpräsidenten unter die Nase zu halten. Edmund Stoiber sagte daraufhin zu, dass sich das Kabinett mit dem Altlastenfall Kirchseeon beschäftigen würde. Gleichzeitig aktivierte die Bürgerinitiative die Landtagsabgeordnete Bärbel Narnhammer (SPD), die sich für die Behandlung des Fall im Landtag einsetzte. Auch in der Sitzung des Umweltausschusses des Landtags am vergangenen Donnerstag war wieder die von Susanne Schmidt mitgebrachte Wasserprobe das Argument, das die Abgeordneten am stärksten beeindruckte. Die Landtagsabgeordneten sprachen sich deutlich für eine Unterstützung der Gemeinde Kirchseeon und des Landkreises Ebersberg in dieser Angelegenheit aus. Am gestrigen Dienstag beschäftigte sich erneut das bayerische Kabinett mit dem brisanten Thema, aber bis zum Redaktionsschluss lagen noch keine Ergebnisse vor.

Intensive Verhandlungen

Einen sehr aktiven Part hatte auch die bisherige bayerische Umweltstaatssekretärin und zukünftige Sozialministerin Christa Stewens. Sie beschäftigte sich seit einigen Monaten intensiv mit dem Altlastenfall und hatte vor einigen Monaten die Vertragsverhandlungen mit der Bahn und deren Rechtsanwalt Matthias Dombert wieder in Gang gebracht. Bereits Anfang Januar zeigte sie sich in einem vertraulichen Gespräch sehr optimistisch, dass die Vertragsverhandlungen bis zum Ende des Monats einen positiven Ausgang nehmen würden. Sie stand zu diesem Zeitpunkt wieder einmal in sehr intensiven Verhandlungen mit Bahn und Bundeseisenbahnvermögen, und die jetzt gefundene Lösung zeichnete sich damals bereits ab. Details konnten aber damals noch nicht veröffentlicht werden, um die laufenden Verhandlungen nicht zu beeinflussen.

Kirchseeons Bürgermeisterin Uschi Bittner und Landrat Hans Vollhardt zeigten sich erleichtert über die im Raum stehende Vertragslösung. Noch etwas skeptisch ist die Bürgerinitiative, die Zusagen von Seiten der Bahn aufgrund der bisherigen Erfahrungen erst dann wirklich glaubt, wenn sie wirklich erfüllt sind. Nichts desto trotz stellt man sich aber auch bei "Wasser ist Leben" darauf ein, am Freitagabend eine Flasche Sekt zu köpfen, um den ersten Teilerfolg zu feiern. (kk/wmh)