Hallo vom 22. März 2001

Kampf um sauberes Wasser

Kirchseeoner Bürgerinitiative startet Unterschriftenkampagne

"Der Kampf beginnt jetzt" war der Tenor des Informationsabends, zu dem die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" letzte Woche in den Kirchseeoner Gasthof Brückenwirt eingeladen hatte. Mehr als 30 interessierte Zuhörer hatten sich eingefunden, um sich über den neuesten Stand der geplanten Sanierungsmaßnahmen auf dem verseuchten Kirchseeoner Fiatgelände unterrichten zu lassen.

Nach wie vor ist die Bürgerinitiative unzufrieden, dass durch den Sanierungsvertrag zwischen dem Bundeseisenbahnvermögen und dem Landratsamt tatsächlich keine optimale Beseitigung aller Altlasten erfolgt. Das Abkommen sieht zwar klar definierte Richtwerte für das Grundwasser vor, die Frage der Bodensanierung ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Der Bahn bzw. dem Bundeseisenbahnvermögen wird aber auch bei der Grundwassersanierung zugestanden, dass die Richtwerte laut Vertrag "mit vertretbaren Mitteln" erreicht werden sollen. Dieser undefinierte Rechtsbegriff berge natürlich das Risiko, dass die Bahn die finanziell günstigste Variante wähle, ohne dabei den Gedanken der Nachhaltigkeit vorrangig zu berücksichtigen, meinte Bürgermeisterin Uschi Bittner.

Gefahr der Verzögerung

Grundsätzlich gäbe es zwei Möglichkeiten der Sanierung, meinte Anton Blank, der zuständige Sachbearbeiter im Landratsamt, der an diesem Abend die Einzelheiten des Vertrages erläuterte. Die eine sei die Dekontamination, also "Reinigung durch Fortnehmen", die andere die Sicherung durch Einspundung, einer Art Ummantelung, bei welcher der "Dreck" allerdings da bleibe. Blank meinte, dass wohl auf jeden Fall mit der Methode der "Sicherung" gearbeitet werden müsse, dass man aber von Seiten des Landratsamtes eigentlich die Dekontamination für sinnvoller und natürlich nachhaltiger ansehe. Er wies außerdem auf die Probleme hin, die in Zukunft auf das Landratsamt zukommen könnten. Immissionsschutzrechliche Verfahren mit Beteiligung der Bevölkerung, eine eventuell nötige Umweltverträglichkeitsprüfung oder Widersprüche aus der Bevölkerung könnten das ganze Verfahren und damit den Beginn der Sanierung auf Jahre hinaus verzögern. Er bekomme jetzt schon "Bauchschmerzen", wenn er nur daran denke.

Nicht nur für den Markt Kirchseeon, sondern auch für die anderen Landkreisgemeinden, die im Abstromgebiet des Kirchseeoner Grundwasser lägen, sei eine vernünftige und dauerhafte Sanierung unbedingt erforderlich, um auch in Zukunft die Gefahr einer weiteren Wasserverseuchung auszuschließen. Die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" will deshalb erneut eine Unterschriftenkampagne starten, um hier den nötigen öffentlichen Druck auf die Bahn und die verantwortlichen Behörden auszuüben. Unterstützt wird sie bei diesem Anliegen vom Landtagsabgeordneten Dr. Jürgen Vocke, der den Sanierungsplan des Kirchseeoner Grundwassers zu einem Schwerpunktthema seiner politischen Arbeit machen will, wie er an diesem Abend den Anwesenden versicherte. Er erklärte sich bereit, die Unterschriftenaktion über die Presse zu organisieren.

Viel beklatschtes Husarenstück

Nicht nur einzelne Landtagsabgeordnete wie Dr. Vocke oder die jetzige Sozialministerin Christa Stewens wurden von der Bürgerinitiative für dieses Thema sensibilisiert. Beim diesjährigen Neujahrsempfang in der Münchner Residenz gelang es Susanne Schmidt und Ida Gaier, das Anliegen der Initiative direkt dem bayerischen Ministerpräsidenten persönlich vorzutragen. Hermann Will von der Bürgerinitiative bezeichnete es als "gelungenes Husarenstück", eine Probe des extrem nach Teer stinkenden Kirchseeoner Grundwassers zu diesem Empfang "im Handtäschchen einzuschmuggeln", um sie Dr. Edmund Stoiber unter die Nase zu halten. Ministerpräsident Stoiber sagte spontan zu, sich persönlich um die Angelegenheit zu kümmern und das bayerische Kabinett mit diesem Thema zu befassen. Zwischenzeitlich hat er sich bereits erneut schriftlich bei der Bürgerinitiative gemeldet und nochmals mitgeteilt, dass er die Angelegenheit im Auge behalte und auf die Einhaltung der Fristen des Vertrages achten wolle.

Schulterschluss aller Landkreisbürger

Für die nun geplante neue Unterschriftenaktion will sich die Bürgerinitiative mit den Rathausverwaltungen, Geschäften, Kindergärten, Schulen, Vereinen und Mandatsträgern der betroffenen Gemeinden wie Anzing, Markt Schwaben, Hohenlinden, Forstinning und Ebersberg in Verbindung setzen. Außerdem will man bei den zahlreichen anstehenden Vereinsfesten und Jubiläen verstärkt Öffentlichkeitsarbeit betreiben und noch intensiver mit der regionalen Presse arbeiten. Gleichzeitig würde sich die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" natürlich auch freuen, wenn Bürger der Nachbargemeinden der Initiative beitreten und diese aktiv unterstützen würden. Es komme darauf an, mit einem Schulterschluß aller Bürger zu demonstrieren, dass für die Region die Sicherung des Trinkwasserreservoirs Ebersberger Forst absolute Priorität habe und man deshalb auf eine optimale Sanierung des Fiatgeländes drängen müßte, meinte Ida Gaier zum Abschluß der Veranstaltung. (kk/wmh)

Bildunterschriften:

Chip / Bild Nr.: 1302 + 1303

Sachlich und kompetent unterrichtete der zuständige Beamte des Landratsamtes, Anton Blank, die Zuhörer über Details und Fristen des Sanierungsplans.

Chip / Bild Nr.: 1304

Mehr als 30 Besucher kamen zum Informationsabend der Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" in der vergangenen Woche in den Kirchseeoner Gasthof Brückenwirt.

Chip / Bild Nr.: 1305

Der Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Jürgen Vocke (stehend) sagte der Kirchseeoner Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" seine Unterstützung im Kampf um sauberes Grundwasser zu.