Hallo vom 11. Dezember 2002

Kein Interesse mehr?

"Wasser ist Leben" zur Pressekonferenz in Kirchseeon

"Beseitigt das Gift, komplett," Diese Grundforderung der Bürgerinitiative "Wasser ist Leben", unterzeichnet von mehr als 6000 Bürgern, ist mehr denn je gefährdet Wie die mittlerweile landkreiswert tätige Kirchseeoner Bürgerinitiative bei der vom Bundeseisenbahnvermögen (BEV) einberufenen Pressekonferenz (HALLO berichtete) feststellen musste, fährt die Bahn neuerdings einen Kurs, bei dem erkennbar ist, "dass man kein Interesse mehr daran hat, das Gelände in Zusammenarbeit mit einem Investor zu sanieren", so die Bürgerinitiative in einer Stellungnahme.

BEV-Sprecher Timpe erklärte auf der insgesamt enttäuschenden Pressekonferenz unmissverständlich, dass durch die Insolvenz der Adis AG, die als Interessent für die Sanierung und Verwertung des Grundstücks aufgetreten war, derzeit kein Partner für eine Bodensanierung in Sicht sei. Noch 2001 habe derselbe Sprecher gegenüber Journalisten versichert, man werde der Region ein sauberes Stück Land zurückgeben, erinnert die Bürgerinitiative. Und nun werden Konzepte erarbeitet, die lediglich dazu geeignet sind, durch Filterung des verseuchten Grundwassers die im Abstrom vom Gelände geforderten Maximalwerte für die Belastung mit Giften einzuhalten. Damit wäre das BEV zwar den im öffentlichrechtlichen Vertrag mit dem Wasserwirtschaftsamt/Landratsamt geforderten Bedingungen nachgekommen und die weitere Ausbreitung der Gifte wäre gestoppt. Unklar bleibt aus Sicht der Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" jedoch, was mit den Giften geschehen soll, die das Gelände in östlicher Richtung längst verlassen" haben? Unklar bleibt auch, weshalb der Grundwasserabstrom in nördlicher Richtung in der Priorität nach hinten gestellt werden kann.

"Mit großer Sorge sehen wir der vom Wasserwirtschaftsamt/Landratsamt geforderten Machbarkeitsstudie entgegen. Sie könnte von der Bahn dazu ausgenutzt werden, die im Vorvertrag definierten Grenzwerte für die Sanierung in Teilbereichen des Geländes als unzumutbar oder unverhältnismäßig teuer zu definieren. Wir fordern: Bei der Gefahrenabwehr für das Grundwasser und der Sicherung der Wasserqualität darf es keine Kompromisse geben!", so Hermann Will jetzt in einer Stellungnahme. Die Maßnahmen der Grundwasserfilterung dienen lediglich der Gefahrenabwehr. Erschreckend finde er die Tatsache, dass das vergiftete Gelände damit weiterhin eine Altlastendeponie bleibt: "So reinigt man zwar das Grundwasser, das das Bahnschwellenwerksgelände verlässt, doch da vermutlich der Großteil der Gifte im Boden verbleibt, wird dieser Vorgang mindestens Jahrzehnte dauern. Zu mehr als eingezäuntem Brachland mit einem Schild "Betteten verboten!"; wird das Schwellenwerksgelände dann auch in Zukunftwegen der Altlasten nicht nutzbar sein."

Die Hauptforderung der Bürgerinitiative ist nach wie vor die umfassende Beseitigung der Altlasten. Will: "Nur dieses konsequente Vorgehen ist für künftige Generationen unproblematisch. Den Weg zu diesem Ziel, der den größten Erfolg verspricht, sehen wir in der Bebauung des Geländes. Dazu wäre nämlich eine komplette Bodensanierung erforderlich." Die Gemeinde Kirchseeon habe die Aufstellung eines Bebauungsplanes zwar beschlossen, in die Detailplanung dürfe sie allerdings erst gehen, wenn ein Investor diesen Aufwand finanziert. "Deshalb fordern wir die Gemeinde Kirchseeon auf, die Suche nach Investoren zu intensivieren. Die Chance, diesen Investor zu finden, wird im nächsten Halbjahr nochmals steigen. Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie kann ein potentieller Investor ermessen, ob eine wirtschaftliche Verwertung des Geländes erzielt werden kann", so Hermann Will.

Eine Sanierung des Geländes durch einen Investor und die vereinbarten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, sprich Grundwasserreinigung durch die Bahn, würde eine enge Zusammenarbeit der beiden Partner erfordern. Vor diesem Hintergrund war das Bild, das Herr Timpe als Vertreter des BEV in Kirchseeon lieferte, geradezu abschreckend: "Besonders die Art, wie der Verantwortliche des BEV seiner gesetzlichen Informationspflicht genügen wollte, sprach eine deutliche Sprache. Nach Feudalherrenart wurde selbst den Journalisten bei der Pressekonferenz nach nur einer einzigen Frage weiteres Nachhaken verwehrt und die Veranstaltung für beendet erklärt. Schon 47 Minuten nach Eröffnung sprach BEV-Öffentlichkeitsreferent Timpe das Schlusswört, obwohl noch weitere Journalisten Fragen an ihn richten wollten. Eine Frechheit, so etwas Pressekonferenz zu nennen!", heißt es abschließend in der Erklärung von "Wasser ist Leben".

Herbe Kritik an den mageren Ausführungen von BEV-Sprecher Klaus Timpe: Die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" machte auch bei der Pressekonferenz mit Spruchbändern noch einmal auf ihre Forderungen aufmerksam. Foto: (kk/wmh)