Ebersberger Zeitung (MM) vom 07. Juni 2002

"Nicht von jetzt nach gleich"

Iveco-Gelände: Über 6000 Unterschriften gesammelt

VON VERONIKA HUCKE Kirchseeon - Über 6000 Unterschriften besorgter Bürger konnte Susanne Schmidt von der Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" in Kirchseeon dem "Herrn des Verfahrens", Landrat Gottlieb Fauth übergeben. Die Informationsveranstaltung zum Stand der Sanierung des ehemaligen Schwellenwerks war mit 200 Bürgern bis auf den letzten Platz gefüllt.

Rechtsanwalt Matthias Dombert vom Bundeseisenbahnvermögen (BEV) bekam von Schmidt einen Sack Erde sowie symbolisch ein Glas mit Grundwasser überreicht. Entnommen aus 34 Meter Tiefe in Kirchseeons Ortsmitte. Dies solle genügend Motivation sein, die über ein Jahrzehnt andauernde Verzögerungstaktik bei der Grundwassersanierung des 20 Hektar großen Iveco-Geländes zu beenden, bekräftigte Schmidt. "Rufen Sie das Projekt ins Leben und packen Sie endlich an."

Fauth sagte bei der Übergabe der Unterschriften vieldeutig: "Seit seinem Amtsantritt als Landrat habe ich schon viele Päckchen gerne aufgemacht, einige aber auch gleich wieder zugemacht." Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel sprach sich für eine vernünftige Abwägung der Belange des Grundstückseigentümers, das heißt des Bundeseisenbahnvermögens, und der Kirchseeoner Bürger aus. Er bezeichnete die weitere Entwicklung für Kirchseeon als große Chance. Die Sanierung müsse in den Vertragswerken indes exakt abgesichert werden. "Wir wollen alle planerischen Ziele festlegen, damit wir mit der künftigen Bebauung leben können. Prinzipiell gilt: kein Baurecht, wenn nicht saniert wird", lautete Ockls Fazit.

Auf die Frage Schmidts an Dombert, wann denn nun endlich der Startschuss für die Sanierung sei, antwortete der Jurist, dass man zehn Jahre nicht zurückdrehen könne. "Das ist Fakt. Seit drei Jahren bin ich als Vertreter des Bundeseisenbahnvermögens beauftragt. Die Sanierungsplanung, auf die Sie alle warten, werden Sie demnächst vorliegen haben. Es liegt eine schwierige Wegstrecke hinter, aber auch noch vor uns." Zwei Jahre habe man gebraucht, um einen Investor für das Iveco-Gelände zu finden. Doch die Bundesrepublik Deutschland halte sich an ihre Verpflichtung. "Deshalb brauchen wir Untersuchungsergebnisse", so Dombert. Kirchseeon sei daher ein Vorhaben mit Modellcharakter. Wörtlich meinte er: "Mittlerweile habe ich mich an die Buh-Mann-Rolle gewöhnt. Wir brauchen einen Vertrag, der alle einbindet." Vorrangig bedeute dies eine rasche Bündelung der beteiligten Behörden, Transparenz von Entscheidungswegen, Flexibilität von Lösungen sowie Zeitgewinn durch Kooperation.

Peter Dück, Vorstand und Projektentwickler der Adis AG, machte deutlich, dass bezüglich des Geländes auf die Kommune eine große Verantwortung durch neue Nutzung zukomme. "Das Ganze geht nicht von jetzt nach gleich und nicht von heute auf morgen." Mit dem Beginn der Sanierung könne voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2003 begonnen werden, so der Investor abschließend.