Ebersberger Zeitung (MM) vom 17. Juni 2003

Pumpen bis ins Jahr 2205

Bürgerinitiative wettert gegen Studie

Kirchseeon - "Die Bahn der Vergangenheit war der Umweltverschmutzer und versucht nun, ihren Schaden über einen Zeitraum von 100 bis 200 Jahren zu reparieren. Wir empfinden dieses Ansinnen als beispiellose Dreistigkeit." Scharfe Worte schickt die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" der Informationsveranstaltung über die Sanierung des Kirchseeoner Iveco-Geländes voraus. Am kommenden Donnerstag (19.30 Uhr im Rathaussaal) stellt das Bundeseisenbahnvermögen (BEV) den Bürgern die Ergebnisse einer vom Landratsamt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie vor. Für Hermann Will, Vorsitzender der Bürgerinitiative, ist das in der Studie vorgeschlagene Abpumpverfahren des Gifts nur eine Notlösung für den nördlichen Teil des ehemaligen Bahnschwellenwerk-Areals, der mittlerweile bebaut ist. "Auf den südlichen Brachflächen jedoch muss mehr geschehen, wenn sich die politisch Verantwortlichen nicht den Vorwurf einhandeln wollen, künftigen Generationen ein giftiges Ei ins Nest gelegt zu haben."

Für Will ist das Ansinnen des BEV, 20 Jahre zu pumpen, unrealistisch. Er fühlt sich darin durch eine Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamts bestätigt, das einen fünf bis zehnfachen Zeitraum veranschlagt, um die vertraglich vereinbarten Sanierungswerte zu erreichen.

Will sieht darin große Risiken: "Wer kennt nach einem Zeitraum von 80 Jahren noch die Details? Welche Auswirkungen hat ein solches Szenario auf die Ortsentwicklung?"

Die Bürgerinitiative fordert deshalb Sanierungsmethoden, die das Gift in Boden und Grundwasser umfassend beseitigen. Dies könne nur durch die Gewinnung eines Investors gesichert werden.

far