Ebersberger Zeitung (MM) vom 27. Juni 2003

"Umweltschutz nach Zufallsprinzip"

Kirchseeon: BEV-Machbarkeitstudie stößt auf heftige Kritik

Kirchseeon - Eine Machbarkeitsstudie zeigt, was machbar ist. So wie die Machbarkeitsstudie von GeoData, die gestern Abend im Kirchseeoner Rathaus vorgestellt wurde. Unterm Strich lautet der Vorschlag des vom Bundeseisenbahnvermögen (BEV) beauftragten Gutachterbüros: Auf dem Bahnschwellengelände, das mit Teerölen und Schwermetallen verseucht ist, soll das Grundwasser hochgepumpt, gefiltert und wieder zurück geführt werden. Es sei immerhin die günstigste Variante, so das Argument.

Der Berechnungszeitraum liege zwar bei 20 Jahren - standardmäßig. Doch gepumpt werde so lange, bis das Wasser kein Gift mehr enthält. Für die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" erscheint "diese Machbarkeitsstudie als ein Gefälligkeitsgutachten". Denn Pumpverfahren seien nur eine Notlösung. "Sie greifen dort, wo beispielsweise wegen Bebauung nichts anderes möglich ist", wie im Bereich der einstigen nördlichen Imprägnieranlage. Auf der südlichen Seite müsse jedoch mehr geschehen. "Denn nur weil beim Abpumpen das Wasser giftfrei ist", so eine Sprecherin der Bürgerinitiative, "sagt das doch nichts über den Giftgehalt des Erdreichs aus".

Auch das Wasserwirtschaftsamt - das übrigens zur Veranstaltung nicht eingeladen war - zeige sich skeptisch, betonte Bürgermeister Udo Ockel. "Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, die über den vorgestellten Vorschlag hinaus geht." Kein Mensch wolle schließlich neben einer Sondermülldeponie leben. Vielmehr müsse das Gelände künftig bebaubar sein, so der Rathauschef. Nach Ansicht der Bürgerinitiative ist das Pumpverfahren keine passende Alternative: "Die Gifte müssen doch umfassend beseitigt werden." Es gehe nicht darum, Umweltschutz "nach dem Zufallsprinzip" zu betreiben. "Ausgepumpt wird doch nur, was sich innerhalb des Vertragszeitraums in die Filterpumpen verirrt."

Rechtsanwalt Matthias Dombert, der die Bahn vertritt, beschwichtigte: "Der Vorschlag ist nicht endgültig." Auch wenn es laut Geo-Data im Sinne der Bahn AG wäre.

BARBARA NAZAREWSKA