Süddeutsche Zeitung vom 12. Oktober 2001

Bürger werden lästig

Initiative "Wasser ist Leben" plant neue Aktionen

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" meldet sich zurück. Zuletzt war es sehr still gewesen um die im August des vergangenen Jahres gegründete Bewegung, die anfänglich mit starken Worten und originellen Aktionen eine Sanierung des mit Giftstoffen verseuchten Geländes des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon gefordert hatte. Doch keine Nachrichten sind bekanntlich gute Nachrichten und so setzt die Initiative getreu dem Motto "in der Ruhe liegt die Kraft" im zweiten Jahr ihres Bestehens den Kampf gegen die politischen Windmühlen mit Verve und Elan fort. "Wir werden der Bahn mit unserem Protest lästig werden."

71 Mitglieder zählt die Bürgerinitiative mittlerweile, darunter auch vier Gemeinden. Denn dass die Verunreinigung des 20 Hektar großen Areals kein Kirchseeoner Problem ist, dass das verseuchte Grundwasser möglicherweise auf die Trinkwasser-Brunnen der weiter im Norden und Osten liegenden Regionen zuströmt, hat sich inzwischen rumgesprochen.

Und so werde man weiterhin alles daran setzen, "im Schulterschluss" für eine grundlegende Sanierung des Wassers wie des Erdreichs zu kämpfen, sagten die Sprecher der Initiative, Susanne Schmidt und Hermann Will, am Mittwoch Abend auf der ersten Jahreshauptversammlung des inzwischen eingetragenen Vereins. Denn "nur wenn die Gifte von gestern heute restlos beseitigt werden, haben wir morgen noch sauberes Trinkwasser", heißt es auf der neuen Informations-Broschüre, die in diesen Tagen zusammen mit Unterschriftenlisten flächendeckend im gesamten Landkreis ausgeteilt wird.

Um noch mehr Verbündete für ihre Sache zu gewinnen, will die Bürgerinitiative in den kommenden Wochen verstärkt Präsenz zeigen, vor allem in jenen Gemeinden, die möglicherweise von dem vergifteten Grundwasserstrom betroffen sind. Denn auch wenn jetzt ein Investor für das Gelände auf dem Plan sei, so sei es wichtig, "dass weiterhin Druck gemacht wird", sagte SPD- Gemeinderat Harry Blöchl.

Die Tatsache, dass nun ein Investor mit ins Spiel komme, sei zwar durchaus von großem Vorteil, fuhr Blöchl fort, sei doch das Bundeseisenbahnvermögen, beziehungsweise die Deutsche Bahn, laut Vertrag nur zur Sanierung des Grundwassers verpflichtet.

Für die Sanierung des Erdreichs, zumal im Bereich nördlich der Bahnlinie, wo die größten Verschmutzungen festgestellt worden seien und wo sich eine Sanierung angesichts der bereits vorhandenen Bebauung denkbar schwierig gestalten werde, bleibe weiterhin die Deutsche Bahn "Partner und Gegner".