Süddeutsche Zeitung vom 26. Oktober 2001

Zukunft des „Iveco“-Geländes nimmt Form an

Sanierer will 500 Millionen investieren

Architekten-Workshop soll Vorstellungen von Gemeinde und Investor auf einen Nenner bringen

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - In Kirchseeon wird es ernst: Gestern kamen fünf Architektenteams im Rathaus zusammen, um in einem eintägigen Workshop ein Bebauungskonzept für das „Iveco“- Geländes zu erarbeiten. Ein ungewöhnlicher Schritt, doch drängt offenbar die Zeit. Bereits im nächsten Jahr will der Investor mit der Sanierung des ehemaligen Bahnschwellenwerks beginnen.

Normalerweise würde man in solchen Fällen einen städtebaulichen Wettbewerb ausschreiben, erklärte der mit der Koordinierung des Projekts beauftragte Landschaftsarchitekt Eberhard von Angerer. Doch würde ein solches Verfahren mindestens ein dreiviertel Jahr in Anspruch nehmen. „Und diese Zeit haben wir nicht.“

Bereits im nächsten Jahr plant der Investor, die ADIS AG, mit der Sanierung des 200000 Quadratmeter großen Geländes beginnen zu können. Und da Art und Umfang der Sanierung wesentlich von der späteren Nutzung abhängen werde, erklärte der Vorstandsvorsitzende Peter Dück, müsse bald ein Bebauungskonzept her.

Und so steckten gestern gleich fünf Architektenteams einen Tag lang die Köpfe zusammen, um die Ideen der Gemeinde und des Investors bis zum Abend in groben Skizzen auf einen Nenner zu bringen. Zum ersten Mal trat dabei gestern auch der Investor, von dem in Kirchseeon schon lange die Rede ist, öffentlich auf. Dabei handelt es sich um ein auf Altlastensanierung spezialisiertes Immobilien-Unternehmen mit Sitz in Gröbenzell, das über vielseitige Erfahrung auf dem Gebiet verfügt.

Angesichts von Großprojekten wie etwa der Neubau des Frankfurter Flughafens oder die Sanierung von Braunkohlelagern in den Neuen Bundesländern schrecke ihn ein Projekt von der Dimension des Kirchseeoner Geländes jedenfalls nicht ab, sagt Dück. Wenngleich er sensibel genug sei, das Problem „nicht auf die leichte Schulter“ zu nehmen.

Bereits vor drei Wochen hatte Dück seine Vorstellung von einer möglichen Nutzung dem Gemeinderat vorgestellt, gestern Morgen erläuterte er vor den Planern noch einmal die Details: Entlang der Bahn sollen demnach Gewerbeflächen entstehen, die einen Lärmschutz für die dahinter geplante Wohnbebauung darstellen soll. Die Verhandlungen mit der Fiat- Tochter Iveco über den Ankauf der Flächen seien „weit gediehen“. Mit 400 bis 500 Millionen Mark bezifferte Dück das Volumen, das zur Verwirklichung der Pläne notwendig sein wird. Finanziert werden soll das Projekt durch Risikokapitalgeber.