Süddeutsche Zeitung vom 29. November 2001

Weil sich die Bodensanierung in Kirchseeon weiter verzögert

Enttäuschung bei Politikern und Bürgern

Bittner zeigt sich „geschockt“ / Landratsamt verlängert Frist für Untersuchungen bis 31. August

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Die Reaktionen auf die am Dienstag präsentierten Ergebnisse der jüngsten Grundwasser- und Bodenuntersuchungen auf dem ehemaligen Bahnschwellenwerk in Kirchseeon reichen von Bedauern bis Schock. Zusätzliche Untersuchungen sind notwendig, was den Beginn der Sanierung weiter verzögern wird.

Die Enttäuschung stand sowohl den Politikern auf dem Podium wie auch den Zuhörern im Rathaussaal ins Gesicht geschrieben, als Thomas Meyer-Uhlich vom Ingenieurbüro Geo Data am Dienstag die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchungen präsentierte. Schwermetalle und Teeröle haben sich demnach mit dem Grundwasserstrom weiter ausgebreitet, als man bisher angenommen hat.

Doch noch sei das Bild nicht komplett, so Meyer-Uhlich. Um genaue Aussagen über die Fließrichtung der Giftstoffe zu treffen und darauf aufbauende Maßnahmen einleiten zu können seien weitere Bohrungen notwendig, für die man zwischen sieben und neun Monate veranschlage.

Sie sei „geschockt“, sagte Bürgermeisterin Uschi Bittner nach der Präsentation. Seit zehn Jahren werde das Gelände nun schon untersucht und gleiche inzwischen einem „Schweizer Käse“. Dass man nun noch weitere neun Monate warten solle, bis die Sanierung beginnen könne, sei nicht „akzeptabel“. Und unter dem Beifall der Bürger fügte sie hinzu: „Wir warten schon lange genug.“ Moderater, wenn nicht weniger besorgt, zeigte sich Landrat Hans Vollhardt. Er bedauere sehr, dass die von ihm gehegte Befürchtung eingetreten sei, dass der Sanierungsplan nicht wie geplant im Frühjahr auf dem Tisch liegen werde. Er sehe jedoch ein, dass es unter den gegebenen Umständen „wenig Sinn“ mache, eine Sanierung auf den Weg zu bringen, die den Anforderungen nicht gerecht werde, die womöglich sogar schaden könnte.

Bis zum 31. August hat das Landratsamt seinen Vertragspartnern Bundeseisenbahnvermögen und Deutsche Bahn nun eine Fristverlängerung eingeräumt. Bis dahin müssen die Untersuchungen abgeschlossen sein, muss ein ausgearbeitetes Sanierungskonzept vorliegen. Vollhardt zeigte sich am Dienstag optimistisch, dass dieser Termin eingehalten wird: „Der Wille scheint da zu sein.“

In der Zwischenzeit aber will man nicht einfach die Hände in den Schoß legen und tatenlos zusehen, wie sich die bereits bestätigte Schadstoff-Fahne weiter in Richtung Osten bewegt. Wenige hundert Meter östlich der südlichen Imprägnieranlage hatten die Geologen von Geo Data eine Naphtalin- Konzentration von 800 Mikrogramm gemessen, knapp zwei Kilometer weiter, am Spannleitenberg, 0,3 Mikrogramm (wir berichteten).

Als Glück im Unglück kann man es wohl bezeichnen, dass in direkter Fließrichtung kein Trinkwasserbrunnen liegt. Dennoch fordert das Landratsamt bis Ende Januar die Vorlage eines Maßnahmenkonzepts zur sofortigen Gefahrenabwehr.