Süddeutsche Zeitung vom 08. Dezember 2001

Unkonventioneller Protest

Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" schlägt Alarm

Kirchseeon - Am 30. Juni 2000 beschloss eine Handvoll engagierte Kirchseeoner Bürger, darunter Susanne Schmidt, das Gefeilsche um die Sanierung des verseuchten Bahnschwellenwerks nicht mehr tatenlos hinzunehmen und gründeten die Initiative "Wasser ist Leben". Ihr vordringliches Ziel war es, auf den Umweltskandal und die schleichende Vergiftung des Grundwassers aufmerksam zu machen, die Alarmglocke zu schlagen. Laut und deutlich. Was ihnen gelungen ist.

Zunächst haben sie T-Shirts bedruckt und Flugblätter verteilt. Auch haben sie eine Strafanzeige gegen Unbekannt geschaltet. Schließlich haben sie sich, "Bewaffnet" mit dem nach Teerölen riechenden braunen Wasser, vor den Rathäusern und auf Marktplätzen aufgestellt und sowohl Bürger als auch Bürgermeister eine Duftprobe nehmen lassen. Und am Ende sind sie sogar bis in den Landtag gezogen und - weiter noch - bis vor den Ministerpräsidenten selbst.

Auf dem Neujahrsempfang in der Staatskanzlei rückten die geladenen Aktivisten aus Kirchseeon so nahe an Edmund Stoiber ran, dass sie ihm das in der Handtasche mitgebrachte - und von keinem Sicherheitsdienst beanstandete - Einmachglas mit Kirchseeoner Grundwasser unter die Nase halten konnten.

Sichtlich entsetzt über den stechenden Duft versprach Stoiber, sich der Sache persönlich anzunehmen. und gesagt, getan - unter Federführung des Umweltministeriums und der damaligen Staatssekretärin Christa Stewens kam alsbald der ersehnte Sanierungsvertrag zustande. Doch auch wenn die ersten Schritte zur Sanierung des 200.000 Quadratmeter großen Areals inzwischen in die Wege geleitet wurden, so gibt die Initiative doch nicht auf. Jetzt erst recht nicht, sagen sie. Gerade jetzt gelte es, den Daumen drauf zu behalten und nicht nachzugeben mit dem öffentlichen Druck.

Sabina Griffith