Süddeutsche Zeitung vom 22. November 2002

Kirchseeoner Bahnschwellenwerk

Investor meldet Insolvenz an

Peter Dück, Vorstandschef der Adis AG, will aber nach wie vor auf dem Gelände bauen

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Die als Investor für das ehemalige Kirchseeoner Bahnschwellenwerk gehandelte Adis AG hat Insolvenz angemeldet. Dennoch will der Vorstandsvorsitzende Peter Dück nach wie vor auf dem Gelände bauen. "Das Kind", sagte er gestern der Ebersberger SZ, "ist noch nicht in den Brunnen gefallen".

Risiko gehört zu ihrem Geschäft, kalkulierbares Risiko. Doch weil es im Leben zuweilen anders kommt als geplant, hat die Adis AG nun Insolvenz angemeldet. "Zwei andere Projekte haben sich so erheblich verzögert, dass sich die Geldgeber zurückzogen", kommentierte der Chef des Aktien-Unternehmens, das auf die Entwicklung von Sanierungsflächen spezialisiert ist, die Nachricht. Was Kirchseeon betreffe, so stünden die Investoren jedoch nach wie vor hinter dem Projekt.

Die Frage ist nur, wie lange noch. Auch in diesem Sanierungsfall ist es bereits zu Verzögerungen gekommen. Ein halbes Jahr hinke man hinter dem ursprünglichen Zeitplan hinter her, gibt Dück zu, bedingt durch die zusätzlich notwendig gewordenen Grundwasseruntersuchungen. Bei den Bohrungen hatten sich neue Vermutungen über das Fließverhalten der mit Teerölen und Schwermetallen belasteten Grundwasserströme aufgetan, die es vor der Einleitung weiterer Maßnahmen zu bestätigen galt.

Doch allen Unkenrufen zum Trotz, das Risiko könnte auch in diesem Fall den Investoren zu unkalkulierbar werden, will Dück an dem Projekt festhalten. "Wir haben ein vernünftiges Konzept, wir werden weiter machen."

Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel zeigte sich gestern wenig überrascht von der Nachricht des Insolvenzantrags. Dass dies geschehen würde, darüber habe ihn Peter Dück bereits informiert gehabt. Man habe das Thema aber nicht an die große Glocke hängen wollen. Denn ob die Firma Adis AG heiße oder anders - für die Gemeinde sei einzig entscheidend, dass sie der Investor mit der Bahn auf ein zufrieden stellendes Sanierungskonzept für das Grundwasser und den Boden einige.

Sollte es wider Erwarten doch so ausgehen, dass die über die Adis AG heran geführten Investoren einen Rückzieher machen, dann sei das auch kein Drama. "Das Interesse an dem Gelände ist groß", weiß der Bürgermeister zu berichten. "Es hat sich offenbar rumgesprochen, das endlich was draus wird."

Wann und wie was draus wird, wird die Öffentlichkeit am kommenden Donnerstag, 28. November, erfahren, wenn die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen und die weiteren Maßnahmen im Kirchseeoner Rathaus präsentiert werden.