Süddeutsche Zeitung vom 28. November 2002

Neuer Ärger um Sanierung erwartet

Heute wird Ergebnis der Grundwasser-Untersuchung in Kirchseeon bekannt

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Die Sanierung des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon geht in die nächste Runde. Heute Abend um 19 Uhr werden Vertreter von Bund und Bahn im Kirchseeoner Rathaus die Ergebnisse der abschließenden Grundwasser-Untersuchung im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen. Dabei könnte es noch einmal spannend werden. Bürgermeister Udo Ockel hatte auf der jüngsten Bürgerversammlung verkündet, dass "Zoff vorprogrammiert" sei. Damit spielte er zum einen auf die Informationspolitik seitens der Verantwortlichen an, konkret auf das "Informationsmonopol" des Rechtsanwalts Mathias Dombert, der das Bundeseisenbahnvermögen und die Bahn rechtlich vertritt. Zum anderen sprach Ockel damit die bis dato geheim gehaltene, aber inzwischen durchgesickerte Tatsache an, dass einige aktuelle Werte der Grundwasser-Untersuchungen wohl die Vorjahreswerte überschreiten.

Eine Sorge, die auch die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" plagt. Viele Fragen hätte man an die Verantwortlichen zu richten, sagte Sprecherin Susanne Schmidt gestern der Ebersberger SZ. Ob sie diese allerdings heute Abend vorbringen dürfen, bezweifelt Schmidt. Denn offiziell ist die Bürgerinitiative nicht eingeladen.

In den vergangenen Tagen war in Kirchseeon zudem die Frage nach der künftigen Nutzung des Geländes aufgetaucht, nachdem der potenzielle Investor, die Adis AG, Insolvenz angemeldet hat (wir berichteten). Für Bahn-Anwalt Dombert kann die Antwort damit nur einen Tenor haben: "Ich halte den Standort Iveco-Gelände nach wie vor für bauplanerisch verwertbar. Unsere Sanierungsplanung aber baut nicht auf der Herrichtung des Geländes für eine weitere Nutzung auf", sagte er. "Wir gehen in allen Konzepten von einer Brache aus." Auf die sich haltende Skepsis in der Bevölkerung angesprochen, dass BEV und Bahn eine "Low-Budget-Lösung" für die Sanierung des mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Quecksilber und anderen Schwermetallen verseuchten Geländes anstrebten, antwortete Dombert: "Unsere Aufgabe ist die Gefahrenabwehr. Die werden wir gründlich und nachhaltig durchführen. Im Ostteil des Geländes wurde übrigens bereits mit einer vorgezogenen Maßnahme begonnen. Das allein wird schon richtig viel Geld kosten."

Harrt einer Ungewissen Zukunft: das Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon. Foto: Schleinkofer.