Süddeutsche Zeitung vom 30. November 2002

Nach den Grundwasserproben rund ums Kirchseeoner Schwellenwerk

Kaum neue Erkenntnisse durch Untersuchung

Präsentation der Ergebnisse endet mit Eklat / Bahnvertreter verlassen nach kurzer Zeit Rathaus

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Mit einem Eklat hat die Präsentation der Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen auf dem stillgelegten Bahnschwellenwerk in Kirchseeon am Donnerstagabend geendet. Weil ihr Flugzeug nach Berlin wartete, verschwanden Klaus Timpe vom Bundeseisenbahnvermögen und Rechtsanwalt Matthias Dombert bereits nach 40 Minuten, ohne dass nähere Details bekannt gegeben worden wären und ohne dass Fragen beantwortet wurden.

Bei der Veranstaltung im Rathaus handelte es sich eigentlich um eine Pressekonferenz, zu der allerdings auch die Bürgerinitiative eingeladen war. Nachdem diese wiederum verbreitet hatte, es sei eine öffentliche Informationsveranstaltung, waren auch Bürger gekommen. Diese reagierten daher verärgert, als nach einer knappen Dreiviertelstunde alles zu Ende war. Aber auch Bürgermeister Udo Ockel selbst stand die Verärgerung über das abrupte Ende ins Gesicht geschrieben.

Die Pressekonferenz war einberufen worden, um "die wesentlichen Ergebnisse" des Untersuchungsprogramms sowie den weiteren Gang des Verfahrens vorzustellen. Die wesentlichen Ergebnisse aber, die der Geologe Erhard Reutter von der Firma Geodata im Eildurchlauf präsentierte, fassten nur zusammen, was alle bereits wussten. Nämlich, dass eine hydraulische Barriere die Grundwasserströme auf dem Gelände trennt. Südlich dieser unterirdischen "Mauer" fließt das Grundwasser angeblich schadstofffrei gen Westen. Nördlich davon verzweigen sich die Fließrichtungen nach Norden und Osten, wobei der östliche Abstrom offensichtlich das Hauptproblem darstellt.

Hier habe man die höchsten Werte der so genannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) gemessen. Wie viel von diesem giftigen Teeröl-Rückstand aber nun genau im Grundwasser gen Osten wabert, das wurde nicht gesagt - auch nicht auf die einzige an diesem Abend zugelassene Frage hin.

Detailliert erklärte man dafür den weiteren Zeitrahmen: Momentan finde mitten auf dem Gelände noch ein vierwöchiger Pumpversuch statt, der klären solle, in wie weit das verschmutzte Grundwasser problemlos an die Oberfläche gepumpt, über Kohlefilter geführt und schließlich gereinigt wieder ins Erdreich gepumpt werden kann. Sobald dieser Feldversuch beendet und ausgewertet ist, soll binnen vier Monaten die Machbarkeitsstudie erarbeitet werden, in der dann die eigentlichen Sanierungsverfahren festgelegt werden. Vorausgesetzt, die vorgeschlagenen Maßnahmen werden von beiden Vertragsparteien, also dem Bundeseisenbahnvermögen und dem Landratsamt Ebersberg genehmigt, folgt die eigentliche Sanierung. Als realistisches Ziel für den tatsächlichen Beginn der Sanierungsarbeiten nannte Reutter das Frühjahr 2004.