Süddeutsche Zeitung vom 03. Dezember 2002

Auf dem früheren Bahnschwellenwerk in Kirchseeon drängt die Zeit

Sanierung hängt jetzt von Iveco ab

Der Cherokee Fonds möchte investieren, doch scheitert es noch am Grundstückskauf

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Bei der Sanierung des stillgelegten Bahnschwellenwerks in Kirchseeon geht es jetzt um alles oder nichts. Findet sich nicht bald ein Investor, der bereit ist, auch das verseuchte Erdreich abzutragen und das 20 Hektar große Gelände bebaubar zu machen, wird es bei der Grundwassersanierung bleiben. Eine für jegliche Nutzung gesperrte Brachfläche wäre die Folge.

"Mit großer Sorge" sieht die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" der Sanierung des Bahnschwellenwerks entgegen. Denn wie Matthias Dombert, Rechtsanwalt des Bundeseisenbahnvermögens (BEV), vergangene Woche unmissverständlich klar gemacht hatte, orientieren sich in Ermangelung eines Investors sämtliche weiteren Maßnahmen an der reinen Gefahrenabwehr und nicht an einer späteren Nutzung. Eine "erschreckende Tatsache", findet die Bürgerinitiative, denn das vergiftete Gelände bliebe dann eine "Altlastendeponie". Dabei gibt es nach wie vor durchaus interessierte Kreise, deren aktives Engagement in Kirchseeon nurmehr von einem, wenn auch nicht ganz unwesentlichen, Detail abhängt.

Nach zahlreichen erfolgreichen Projekten in Übersee streckt d er Cherokee Investment Fonds, eine auf die Sanierung und Bebauung von Industrieflächen spezialisierte amerikanisch-kanadische Investorengruppe, ihre Finger gen Europa aus. Die Entwicklung der Londoner Docklands stellte ihr Debüt dar, jetzt soll das Kirchseeoner Bahnschwellenwerk folgen.

Juristisch vertreten werden die Investoren durch Rechtsanwalt Andreas Obermeyer von der Münchner Sozietät CMS Hasche Sigle. Und laut Obermeyer wollen die Investoren "das Ding durchziehen", ob mit oder ohne die Adis AG. Deren Vorstand Peter Dück hatte das Interesse der Amerikaner seinerzeit auf Kirchseeon gelenkt, doch nun, da die Adis AG Insolvenz angemeldet hat, rückten seine Mandanten von Dück ab. Das Interesse aber sei nach wie vor da.

600 Millionen Dollar hat der Fonds allein für Projekte in Europa zur Verfügung. Am Geld würde die Sanierung also nicht scheitern, und doch geht derzeit nichts weiter. Der Grund liegt in der Weigerung der Fiat-Tochter Iveco, ihren Teil des Kirchseeoner Grundstücks an den Fonds zu verkaufen. "In Turin ist man an der Veräußerung offenbar nicht interessiert", sagt Obermeyer. "Dabei müsste es Fiat doch gelegen kommen, wenn sie das Drecksloch verkaufen könnten." Vielleicht ist aber auch noch nicht der richtige Preis genannt worden.