Süddeutsche Zeitung vom 19. Februar 2003

Bahnschwellenwerk droht für immer Schandfleck zu bleiben

Zeit für Investoren-Suche läuft aus

Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" fürchtet um Bodensanierung, sollte Iveco noch lange zögern

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - In zehn Tagen, am 28. Februar, wird das Bundeseisenbahnvermögen die so genannte Machbarkeitsstudie präsentieren und damit den Rahmen der Sanierung des ehemaligen Bahnschwellenwerks endgültig festlegen. Noch hoffen alle Beteiligten, insbesondere die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben", dass sich die Fiat-Tochter Iveco vorher zum Verkauf ihres Grundstücksanteils durchringt und somit die Voraussetzung für eine umfassende Bodensanierung des Areals schafft .

In einem offenen Brief an die Fiat-Tochter hat die Bürgerinitiative in diesen Tagen ihre Besorgnis hinsichtlich der Bodensanierung des ehemaligen Bahnschwellenwerks geäußert. Wie man "aus gut informierten Kreisen" wisse, bestünden derzeit zwar "konkrete Chancen für den Einstieg eines Investors in die Bodensanierung", doch unterschätze man bei der Iveco offensichtlich "das enge Zeitfenster", das für diese Verhandlung bleibe, heißt es in dem Schreiben. Denn sollte es nicht gelingen, den Vertrag mit einem Investor rechtzeitig unter Dach und Fach zu bringen, die Befürchtung der Initiative, würde das ehemalige Bahnschwellenwerk für immer ein "Schandfleck" bleiben, den zu betreten der Bevölkerung auf Jahre untersagt wäre.

Eine Befürchtung, die Matthias Dombert, Rechtsanwalt des Bundeseisenbahnvermögens, nicht von der Hand weisen kann. Per Vertrag sei seine Mandantin einzig zur Gefahrenabwehr verpflichtet. Da vom Boden keine direkte Gefahr für den Menschen ausgehe, seien sämtliche jetzt ins Visier genommene Maßnahmen auf die Sanierung des Grundwassers beschränkt. Maßnahmen, die möglicherweise zur Folge haben werden, dass man einen "Deckel" auf das Gelände legen wird. Damit hätten dann aber nicht nur die Bürger Kirchseeons ein Problem, betont Dombert, sondern auch Iveco, da das Grundstück dann für potenzielle Investoren ganz sicher nicht mehr interessant sei.

Doch von Zeitdruck ist bei der Effe GmbH, welche die Liegenschaften der Iveco verwaltet, nichts zu spüren. "Wir sind weiter daran interessiert zu verkaufen", sagte Sprecher Martin Tröger gestern gelassen. An dem Gemütszustand ändert offenbar auch die Tatsache nichts, dass der Mutter- Konzern Fiat in seiner bisher schwersten Krise steckt. Auf die Frage, warum man nicht schon längst an den kanadischen Cherokee-Fonds verkauft habe, der seit Monaten an die Tür klopft, antwortete Tröger: "Es wäre doch das Dümmste, wenn wir in einer solchen Lage alles verschleudern würden." Eine Haltung, die angesichts des immer enger werdenden Zeitfensters für alle Beteiligten unverständlich bleibt. Eindringlich warnt Dombert davor, den Zeitplan außer Kraft zu setzen. "Jahrelang habe ich damit leben müssen, als Verzögerer tituliert zu werden. Diesen Schuh ziehe ich mir nicht mehr an. Jetzt liegt der Ball im Feld von Iveco."