Süddeutsche Zeitung vom 14. März 2003

Waschen der Gartenfrüchte dennoch weiterhin empfohlen

Landratsamt streicht Altlasten aus Kataster

Grundstücke nördlich des Kirchseeoner Bahnschwellenwerks weisen nur vereinzelt Belastungen auf

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Die Grundstücke nördlich des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon, die lange Zeit in Verdacht standen kontaminiert zu sein, gelten rein juristisch gesehen ab sofort nicht länger als "Altlastenverdachtsflächen". Nachdem die Prüfwerte wiederholt unterhalb der Grenzwerte lagen, strich das Landratsamt die Grundstücke nun aus dem Altlastenkataster. Eine generelle Unbedenklichkeit ist damit jedoch nicht attestiert.

Nicht nur das schwer verseuchte Areal südlich der Bahnlinie liegt im Visier der Geologen und Hydrologen. Lange Jahre galt die Sorge auch jenen bebauten Grundstücken nördlich der Gleise, entlang der Fritz-Litzlfelder- Straße und darüber hinaus. Und tatsächlich stellten die Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes und der mit der Untersuchung beauftragten Ingenieurbüros "vereinzelt höhere Belastungen" fest, jedoch rechtfertigten diese "nach bisherigen Erkenntnissen keine Nutzungseinschränkungen im Hinblick auf die vorhandene Bebauung", wie das Landratsamt im Sommer 2000 die Situation zusammenfassend beschrieb. Für das Grundwasser gehe keine Gefahr aus und auch bei den Boden-Luft-Untersuchungen habe man keine Deponiegase nachweisen können, beziehungsweise nur in geringen Mengen, weshalb man den Anwohnern empfahl, "Gartenfrüchte vor dem Verzehr gründlich zu waschen oder zu schälen".

Diese Empfehlung gelte auch nach wie vor, betont Anton Blank, Sachbearbeiter im Landratsamt. Ein entsprechendes Schreiben sei in diesen Tagen an die betroffenen Anwohner verschickt worden. Dennoch sei das Landratsamt gezwungen gewesen, die etwa 15 Grundstücke aus seinem Kataster zu streichen, nachdem die gemessenen Quecksilber- und Benz0(a)pyren wiederholt unterhalb der jeweiligen Grenzwerte lagen. "Danach gab es für uns keine rechtliche Veranlassung mehr, die Flächen als Altlastenverdachtsflächen zu kennzeichnen", so Blank.

Von so manchem Anlieger mag diese Nachricht mit Erleichterung aufgenommen worden sein, wirkt sich der Wegfall dieses juristischen Makels doch in barer Münze auf den Wert seines Grundstücks aus. Im Gemeinderat aber, der besagte Änderung umsetzen und in den Kirchseeoner Flächennutzungsplan aufnehmen sollte, wollte keine so rechte Jubelstimmung aufkommen. "Die Altlasten sind nach wie vor in den Böden drin", kritisierte Grünen-Gemeinderat Christoph Köhler. "Und die zukünftigen Käufer sollten wissen, was sie da erwerben."