Süddeutsche Zeitung vom 15. März 2003

Gestern Gespräche mit Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel

Investoren interessiert an Bahnschwellenwerk

Bundeseisenbahnvermögen: Etwaige spätere Nutzung muss in Sanierungskonzept einfließen

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Gestern haben Vertreter des Fiat-Konzerns sowie potenzieller Investoren Bürgermeister Udo Ockel ihr "grundsätzliches Interresse" an einer Entwicklung des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon vorgetragen. Ob das kontaminierte Areal nun doch noch bebaut wird oder eine Brache bleibt, steht dennoch weiter in den Sternen.

Ja, bestätigte Udo Ockel, es stimme, dass Martin Tröger von der Effe GmbH, der Grundstücksholding des Fiat-Konzerns und der Projektentwickler Peter Dück, vormals Adis AG, im Rathaus vorstellig gewesen seien. In dem Gespräch habe Martin Tröger das grundsätzliche Interesse der Effe zum Ausdruck gebracht, die in ihrem Besitz befindlichen Teile des insgesamt 24 Hektar großen Grundstücks an einen oder mehrere Investoren zu verkaufen. Wer diese seien, wollte Peter Dück gestern nicht verraten. Dafür sei es "noch zu früh".

Bürgermeister Udo Ockel zeigte sich nach dem Gespräch dennoch positiv gestimmt. "Uns ist es grundsätzlich egal, wer das Grundstück entwickelt", so Ockel. "Hauptsache ist doch, dass es vorwärts geht." Wie es nun aber weiter vorwärts geht, darüber herrschte im Rathaus gestern Unklarheit. Die Gegenseite habe den Wunsch nach einem Bebauungsplan geäußert. Ob und wie man diesen Wunsch erfüllen könne, darüber müsse in den nächsten Tagen intensiv nachgedacht werden. Unter dem Aspekt, dass das Areal nur dann saniert werden könne, wenn jemand darauf baue, sei das ihm signalisierte Interresse "eine Riesenchance für Kirchseeon", betonte Ockel. Dennoch müsse verhindert werden, "dass die Filetstücke vermarktet werden und die kontaminierten Flächen liegen bleiben."

Der Anwalt des Bundeseisenbahnvermögens (BEV), Matthias Dombert, nahm die Nachricht vom Vorhandensein neuer interessierter Investoren "erfreut, aber mit einer gewissen Portion Skepsis" auf. "Wenn es denn so seien sollte, dass die Leute bei Herrn Dück Schlange stehen, dann sollten sie bald mit mir in Kontakt treten", so Dombert. Denn an ihm als juristischen Vertreter der sanierenden Partei führe kein Weg vorbei. Eine "B-Planung" gemeinsam mit der Gemeinde aber ohne BEV mache "keinen Sinn".

Zudem wies Dombert darauf hin, dass Eile geboten sei, sollte das Interesse der Investoren ernsthaft sein. Ende des Monats werde die Machbarkeitsstudie erörtert. Sofern seitens der Behörden keine größeren Einwände dagegen erhoben werden, könne dann sofort die Sanierung beginnen. Und die gehe bisher von einer reinen Gefahrenabwehr für das Grundwasser aus, so Dombert. Für eine Folgenutzung müssten die vereinbarten Zielwerte, je nach geplanter Nutzung des Grundstücks, verschärft werden, was wiederum den Zeitplan in Gefahr bringen könnte. Und eine weitere Verzögerung will Dombert nicht riskieren. "Schließlich sind wir in der Vergangenheit dafür geschlagen worden - vielleicht nicht ganz zu Unrecht."