Süddeutsche Zeitung vom 05. Juni 2003

Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und Bundeseisenbahnvermogen legen Sanierungsmaßnahmen fest

Pumpen sollen Schwellenwerksgelande reinigen

Unklar ist noch, ob Teile der mit Giftstoffen kontaminierten Flachen in Kirchseeon versiegelt oder doch bebaut werden

Von Sabina Griffith

Kirchseeon - Bei der Sanierung des kontaminierten ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon haben die Beteiligten einen weiteren Meilenstein erreicht. Am Dienstag haben Vertreter des Landratsamtes, des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) sowie des Wasserwirtschaftsamtes der so genannten "Machbarkeitsstudie" zugestimmt und damit die technischen Maßnahmen festgelegt.

Auf dem 20 Hektar großen Areal soll in erster Linie ein Pumpensystem installiert werden, welches das mit Teerölen und Schwermetallen verunreinigte Grundwasser an die Oberfläche befördern, über Aktivkohle-Filter leiten und - gereinigt - wieder dem Erdreich zuführen soll. Nach einhelliger Meinung der Gutachter lasst sich so die Forderung des Landratsamtes erfüllen, dass die Schadstoffe im Grundwasserabstrom den gesetzlich festgelegten Stufe-1- Grenzwert beim Verlassen des Geländes nicht überschreiten. Damit wäre die primäre Forderung der Kreisbehörde, die Sicherung des Grundwassers, erfüllt.

Einen Aushub des Bodens an den schwer kontaminierten Stellen wird es indes nicht geben. Im Bereich der heute dicht bebauten und versiegelten nördlichen Imprägnieranlage sowie am Standort der Kyananlage sollen ebenfalls Filter die Schadstoffe aus dem Grundwasser ziehen. Das Wasserwirtschaftsamt bemerkt hierzu in seiner Stellungnahme, dass es sich bei dieser Variante ausschließlich um eine "Sicherung des Schadens" handle, eine Dekontamination aber finde nicht statt.

Weiterhin offen ist hingegen, was auf der hochgradig mit Teerölen verunreinigten Fläche im südlichen Teil des Geländes passiert, auf der einst die zweite Bahnschwellen-Imprägnieranlage stand. Um die Forderung des Landratsamtes zu erfüllen und den Stufe-1-Grenzwert zu erzielen, wurde es laut Machbarkeitsstudie genügen, diese Fläche zu versiegeln, so dass die im Boden angereicherten Schadstoffe nicht ins Grundwasser ausgewaschen werden. Das wiederum würde jedoch eine Folgenutzung "erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen", heißt es in einer Erklärung von BEV und Landratsamt. Ganz abgesehen davon, dass Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel "überhaupt nicht begeistert wäre, wenn das Zeug im Boden bliebe".

Und so hoffen nun alle Beteiligten, dass auf der Grundlage der vorliegenden Fakten ein Investor gewonnen werden kann. Denn wer immer dort bauen wolle, so Landrat Gottlieb Fauth, der müsste sich "schon allein aus marktstrategischen Gründen" mit dem Aushub des Bodens beschäftigen. Bis Ende des Jahres hat man der Grundstückseignerin, der Fiat-Tochter Effe, dafür Zeit eingeräumt.