Süddeutsche Zeitung vom 07. Juni 2003

Sanierung über Jahrhunderte

Wasserwirtschaftsamt hält Zeitraum von 20 Jahren für „unrealistisch zu kurz“

Kirchseeon - 20 Jahre, so rechnen die Gutachter, müssen die Pumpen mindestens laufen, soll das Grundwasser dereinst wieder frisch und sauber in finsterer Tiefe dahin plätschern. Für den Bereich der ehemaligen südlichen Imprägnieranlage aber wird dieser Zeitraum nicht ausreichen, sagen die Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes. Jedenfalls dann nicht, wenn nicht zusätzliche Maßnahmen getroffen werden, die Teeröle und Schwermetalle aus dem Boden zu holen. Zwei Lösungsansätze hatten die Gutachter von Geo- Data für diesen prekären Bereich erwogen. Eine geo-chemische Barriere in Form von Spundwänden wurde allerdings nicht nur wegen der veranschlagten 18 Millionen Euro ad acta gelegt, sondern auch wegen der befürchteten geringen Akzeptanz in der Bevölkerung, insbesondere der heute eben dort ihre Rüben züchtenden Kleingärtner. Zudem würde die „Umnutzung“ der Fläche zu einer Veränderung des Stadtbildes im Bereich der Wasserburger Straße führen, was von der Öffentlichkeit sicher „nicht positiv beurteilt“ würde.

Hingegen sei bei der – nur halb so teuren – „pump-and-treat“-Variante nur ein geringes Konfliktpotenzial zu erwarten, „da weder Gewerbe noch Wohnbebauung in der Nähe“ seien, heißt es in der Machbarkeitsstudie. Doch geht die Rechnung des federführenden Ingenieurbüros Geo-Data laut Andreas Scholz, dem zuständigen Sachbearbeiter beim Wasserwirtschaftsamt, so nicht auf. „Wir glauben, das der Zeitraum um das Fünf- bis Zehnfache länger angesetzt werden müsste, wenn man sich nur aufs Pumpen und Versiegeln beschränkt.“ Der für die Kostengegenüberstellung gewählte Zeitraum von 20 Jahren sei also „unrealistisch zu kurz“ und benachteilige somit effektivere Verfahren mit höheren Investitionskosten, schreibt Scholz in seiner Stellungnahme zur Machbarkeitsstudie.

Sabina Griffith