Süddeutsche Zeitung vom 01. Juli 2003

Fiat-Konzern will in Bodensanierung einsteigen

Liegenschaftsverwalter bestätigt Aufnahme von Verhandlungen mit dem Bundeseisenbahnvermögen

Kirchseeon - Es scheint so zu kommen, wie es Matthias Dombert, Rechtsanwalt des Bundeseisenbahnvermögens (BEV), vergangenen Donnerstag vorhergesagt hat: Sollte sich wider Erwarten in letzter Minute doch noch die Chance für eine Bodensanierung auftun, dann sei die Machbarkeitsstudie zur Sanierung des Grundwassers unter dem ehemaligen Bahnschwellenwerk in Kirchseeon nicht mehr das Papier wert, auf der sie geschrieben wurde.

Wie Martin Tröger, Liegenschaftsverwalter für die Besitzungen der Fiat- Tochter Iveco und somit für das Kirchseeoner Bahnschwellenwerk, gestern gegenüber der Ebersberger SZ bestätigte, wolle Fiat die Sanierung des Geländes selber übernehmen. "Wir sitzen bereits mit dem Anwalt des BEV am Tisch", sagte Tröger. Derzeit arbeiteten die Juristen sowie der zum Projektentwickler benannte Peter Dück, Vorstandsvorsitzender der insolventen Adis AG, daran, die Rahmenbedingungen für die Bodensanierung abzustecken.

Auf die Frage, warum man sich ausgerechnet jetzt zu diesem Schritt entschlossen habe, merkte Tröger an, dass man "diesen Gedanken schon vor Jahren gehabt" habe. Letztendlich entschieden habe aber das Argument, dass man "potenziellen Interessenten so mehr an die Hand geben" könne. Was bedeuten würde, dass Fiat nicht die komplette Sanierung projektiere. Doch darauf wollte Tröger gestern nicht näher eingehen. Auch Fragen, warum die Effe - die Fiat- Liegenschaftsverwaltung - nicht auf das Angebot des amerikanischen Cherokee- Fonds eingegangen sei und wie der finanziell angeschlagene Fiat-Konzern das Projekt stemmen wolle, erwidert Tröger mit Schweigen. "Ich werde weder über Finanzen noch über Investoren reden. Wichtig ist doch, dass was passiert."

Inwieweit die jüngste Wendung die weitere Sanierung beeinträchtigt, bleibt abzuwarten. Einige grundsätzliche Details der Machbarkeitsstudie müssten sicher "neu bewertet" werden, erklärt Erhard Reutter vom Ingenieurbüro Geodata. In den nächsten Tagen werde man aber auf jeden Fall wie geplant mit der Abstromsicherung des verseuchten Grundwassers beginnen.

Im Landratsamt zeigte man sich gestern von der Nachricht vom Einstieg des Fiat-Konzerns in die Sanierungsplanung positiv überrascht. Angesichts der vielen kursierenden Gerüchte um angebliche Investoren wolle er aber erst mal abwarten und den Worten Taten folgen lassen, so Sachbearbeiter Anton Blank. "Ich warte auf den Augenblick, in dem hier die Tür aufgeht, jemand reinkommt und mir ins Gesicht sagt: ich mach's."

Sabina Griffith