Panne bei früherer Schadstoffüberwachung

Erst durch Bohrung gelangt Teeröl in das Grundwasser

Mit Spezialkameras feine Risse in den Sperr-Rohren nachgewiesen

Kirchseeon - Um sicher zu gegen, dass die Bohrstellen intakt sind und die Schadstoffüberwachung keine falschen Werte liefert, werden in diesen Tagen zahlreiche Messstellen auf dem Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon mit Spezialkameras abgefahren.

Meter für Meter sinkt die Kamera tiefer in den Bohrschacht. Nebenan im Bus, auf einem kleinen Monitor, verfolgen die beiden Geologen Hannes Neugebauer von der DB-Netz AG und Jörg Schröter von der Umweltanalytik-Firma Geodata die übermittelten Bilder.

Erleichterung macht sich breit, als die Kamera schließlich das Grundwasserniveau bei rund 40 Metern erreicht: An der nur wenige Meter südlich des Bahnhofs gelegenen Messstelle GWM 4.4 scheint alles in Ordnung zu sein. Hier sind keine Risse in den Sperrrohren zu erkennen, keine seitlichen Eintritte von schwarzem Teeröl, wie es nördlich der Bahngleise, in einem Hinterhof an der Fritz-Litzlfelder-Straße, der Fall war.

Dort, am einst vom Wasserwirtschaftsamt installierten Bohrloch Nummer 5.1, hatte die Kamera zuvor bestätigt, was die Geologen und Fachleute vom Wasserwirtschaftsamt bereits befürchtet hatten, nämlich dass die Bohrung defekt ist. Beim Abpumpen des Grundwassers hatten sie sich gewundert, dass kein Teeröl nachfloss. „Wenn dort unten eine Teerölblase gewesen wäre, wie vermutet, hätte das Zeug beim Abpumpen seitlich in großen Mengen nachströmen müssen“, so Schröter. „Das ist aber nicht passiert.“

In einer Tiefe zwischen 16 und 17,30 Meter habe die Kamera schließlich feine Risse im stählernen Sperrrohr offenbart, welches das Bohrloch auf den ersten Metern stabilisieren sollte. Aber eben nur auf den ersten Metern. Unterhalb davon wurde seinerzeit ein Zement-Betonit-Rohr eingesetzt „und irgendwo dazwischen muss die Verbindung undicht geworden sein“, erklärt der Geologe.

Infolge dessen konnte nun aufgestautes Teeröl aus einer höher gelegenen Schluff-Schicht seitlich ins Rohr eintreten. Die Bohrung selbst habe also offenbar erst die auf einer relativ dichten geologischen Schicht lagernde Teerölblase perforiert und für die besorgniserregenden Werte an dieser Grundwassermessstelle gesorgt, mutmaßt Neugebauer.

Um zunächst den Teeröl-Eintritt ins Grundwasser zu stoppen, wird die Bohrung 5.1 in diesen Tagen verfüllt und dann neu installiert. Um sicher zu gehen, dass selbiges Malheur nicht auch an anderer Stelle passiert ist, wird die Kamera zudem noch sechs weitere Messstellen entlang der Wasserburger Straße abfahren, mit Hilfe derer man den Schadstoffabstrom vom Gelände in Richtung Nord-Osten überwacht.

Sabina Griffith