Süddeutsche Zeitung vom 03. Dezember 2004

Nach dem Fund von Quecksilber im Erdreich des ehemaligen Bahnschwellenwerks

Kirchseeoner befürchten Billigsanierung

Gemeinderat erwägt höhere Standards für Erteilung des Baurechts auf dem Gelände

Michaela Straßmair

Kirchseeon Der Fund von wasserlöslichem Quecksilber im Boden des ehemaligen Bahnschwellenwerks hat auf der Jahreshauptversammlung der Bürgerinitiative ¸¸Wasser ist Leben" für großes Entsetzen gesorgt. Vom Marktgemeinderat wurde deshalb gefordert, dass dieser sich nicht dem Diktat des Investors unterwerfen solle, sondern höhere Standards für eine Sanierung festlegen - ¸¸damit das Gift komplett beseitigt wird".

Anton Blank vom Ebersberger Landratsamt hatte den 18 Zuhörern im Kirchseeoner ¸¸Brückenwirt" am Mittwochabend mit seinen Informationen zum Sachstand ¸¸Sanierung der Altlasten auf dem ehemaligen Bahnschwellenwerkgelände" nichts Gutes zu berichten: ¸¸Wenn nichts ausgebaggert wird, müssen 200 Jahre lang Pumpen laufen, um das Grundwasser zu reinigen". Gefahrenabwehrmaßnahmen wie Teilsanierungen an der südlichen Imprägnieranlage und an der Kyananlage würden nun laufen, ¸¸wenigstens ein kleiner Beitrag, dass etwas passiert".

Allerdings sei bei der Kyananlage wasserlösliches Quecksilber entdeckt worden, auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern. ¸¸Das ist der nächste Hammer", entfuhr es Hermann Will von der Bürgerinitiative. Ähnliche Äußerungen rief Blank hervor, als er berichtete, dass die Gefahrenabwehrmaßnahmen auf dem Gelände wie das Filtern des Grundwassers nur per sicherheitsrechtlich angeordnetem Sofortvollzug durchgeführt werden konnten, ¸¸da der Grundstückseigentümer Effe nicht einverstanden war".

Daraufhin entspann sich eine grundsätzlich Diskussion, ob das Gelände überhaupt bebaut werden solle. Eine Zuhörerin meinte an Bürgermeister Udo Ockel gerichtet, ¸¸das ist doch völlig verantwortungslos auf einem derart verseuchten Gelände, auf dem nach Bodenschutzrecht maximal 60 Zentimeter abgetragen werden müssen, über eine Bebauung nachzudenken". Man wolle den späteren Hausbesitzern nicht erklären müssen, dass auf ihrem Bäumen vergiftetes Laub wachse, legte Hermann Will nach. Die laut Gesetz vorgeschriebenen Sanierung von 60 Zentimetern im Nutzgartenbereich habe nichts mit einer sinnvollen Sanierung zu tun, ¸¸das ist Billig-Sanierung".

Nun liegt es nach Auffassung der Bürgerinitiative am Gemeinderat, in den Verhandlungen mit dem Investor Effe höhere Standards für eine Sanierung auszuhandeln - ¸¸der einzige Hebel ist das Baurecht". Die von allen Fraktionen anwesenden Gemeinderäte zeigten sich nachdenklich, da man sich bislang an den Standards des Landratsamtes orientiert hatte.

Am Dienstag kommen Vertreter des Bundeseisenbahnvermögens und des Investors nach langer Verhandlungspause ins Rathaus, um dort Gespräche über das weitere Vorgehen aufzunehmen.