Süddeutsche Zeitung vom 21. September 2005

Pumparbeiten auf dem ehemaligen Schwellenwerksgelände beginnen

"Billiger Kompromiss" bei der Sanierung

Bürgermeister und Initiative werfen der Bahn vor, nur die notwendigsten Maßnahmen zu treffen

Von Michaela Straßmair

Kirchseeon Für das Bundeseisenbahnvermögen und die Deutsche Bahn beginnt heute Vormittag offiziell die Sanierung des ehemaligen Schwellenwerks. Für die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" stellt die Abstromsicherung des Grundwassers "nur einen billigen Kompromiss zur Gefahrenabwehr" dar. Bürgermeister Udo Ockel spricht ebenso von einer "reinen Sicherungsmaßnahme".

Pumpen fördern belastetes Grundwasser, dieses wird in einer Behandlungsanlage gereinigt und dem Hauptgrundwasser wieder zugeführt. So erklären das Bundeseisenbahnvermögen und die Deutsche Bahn die neue Anlage zur Abstromsicherung Ost, zu deren Inbetriebnahme heute Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes, der stellvertretende Landrat Gerd Gietl und Bürgermeister Udo Ockel eingeladen sind. Zweck der Pumpreinigung ist, dass kein verseuchtes Grundwasser mehr das Gelände verlassen kann - und damit auch die Trinkwasser-Reserven im Ebersberger Forst nicht mehr gefährdet werden.

"Es ist ganz wichtig, dass nun keine Schadstoffe mehr exportiert werden", sagte Bürgermeister Ockel auf Anfrage der SZ. Dennoch sei die Maßnahme "nur ein erster Schritt", "eine reine Sicherungsmaßnahme". Auf die tatsächliche Sanierung des mit einem Cocktail aus Quecksilber, Teerölen, Zink und polyzyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verseuchten Erdreichs wartet auch die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben" seit vielen Jahren.

Heute wollen Vertreter der Initiative die Frage, "Wann beginnt man endlich mit der Sanierung des Geländes?" an die Verantwortlichen stellen. In einer Erklärung vergleichen sie die Pumpreinigung, deren Dauer von Fachbehörden auf mehr als 200 Jahre geschätzt wird, mit einem Feuerwehreinsatz, der sich darauf beschränke das Feuer an der Ausbreitung zu verhindern, während man das in Brand geratene Objekt sich selbst überlasse. Der Vorwurf der Initiative lautet: "Die Verantwortlichen tun nur das Nötigste, wozu sie verpflichtet sind."

Wie es auf dem Gelände mit dem größten Altlastenfall Bayerns weitergeht, weiß auch Bürgermeister Ockel derzeit nicht. Nach dem die Firma Effe, die Grundstückseigentümerin, dem Marktgemeinderat mehrere Bebauungsideen vorgestellt hatte, die den Räten jedoch allesamt nicht gefielen, ist Ruhe eingekehrt. Laut Ockel verhandle die Effe mit der Bahn über ein gemeinsames Planungskonzept - "was offensichtlich zäh vorangeht". Eine Sanierung kann seiner Meinung nach nur mit einer Bebauung Hand in Hand gehen.

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