Süddeutsche Zeitung vom 22. September 2005

Sanierung auf altem Bahnschwellenwerk hat begonnen

Ockel: Kirchseeon exportiert keinen Dreck mehr

Neue Anlage reinigt täglich 840 000 Liter Grundwasser von Teerölen

Von Michaela Straßmair

Kirchseeon Die Gefahr für das Trinkwasser von Ebersberg, Markt Schwaben, Anzing und Forstinning ist gebannt: Mit der Reinigung des Grundwassers unter dem ehemaligen Bahnschwellenwerk in Kirchseeon hat gestern die Sanierung eines der größten Altlastenfälle Bayerns begonnen, um die seit 15 Jahren gerungen wird. Das Bundeseisenbahnvermögen kündigte weitere Maßnahmen an.

Ein guter Tag für die Umwelt, ein guter Tag für Kirchseeon und alle Bürger im Landkreis: Die rund 30 Gäste waren sich einig über die Inbetriebnahme der Abstromsicherung Ost auf dem Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks. Der Stellvertreter des Landrats, Kreisrat Gerd Gietl, ging sogar noch weiter: ¸¸Das ist ein Meilenstein in der Sanierung des Geländes." Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel setzte hinzu: ¸¸Ich hoffe, dass die Sanierung nicht bei dem Meilenstein bleibt."

Um die Verantwortlichen, das Bundeseisenbahnvermögen (BEV) und die Deutsche Bahn, festzunageln, wiederholte Ockel die Aussage von BEV-Vizepräsident Albrecht Linder, dass es sich bei der Grundwasserreinigungsanlage lediglich um eine Teilmaßnahme handle. ¸¸Das heißt, es geht noch weiter", folgerte Ockel.

Doch wann, wurde auch gestern nicht klar. Die Grundstückseigentümer, das Bundeseisenbahnvermögen und die Grundstücksholding des Fiat-Konzerns namens Effe, haben noch immer keine gemeinsame Planung für eine Wohn- und Gewerbebebauung des rund 20 Hektar großen Areals. ¸¸Der Marktgemeinderat braucht ein planungsrechtliches Signal", forderte der Bürgermeister.

Zu der Reinigungsanlage, die pro Tag rund 840 000 Liter Grundwasser von Teerölen befreit, sagte Ockel: ¸¸Aus Kirchseeon wird jetzt kein Dreck mehr exportiert - aber wir haben ihn noch." Die Bedrohung der Trinkwasserreserven im nördlichen Ebersberger Forst, aus denen Ebersberg, Markt Schwaben, Anzing und Forstinning ihr Wasser entnehmen, sei gebannt.

Dafür spendeten auch die Vertreter der Bürgerinitiative ¸¸Wasser ist Leben" Applaus. Doch sie kritisierten die benötigte Laufzeit der Anlage, die vom Wasserwirtschaftsamt auf rund 200 Jahre angegeben wurde, von Albrecht Linder ¸¸auf vorerst zehn Jahre". ¸¸Diese Lösung ist nicht nachhaltig und zukunftsorientiert", schimpfte Bürgerinitiativen-Sprecher Hermann Will. Um den BEV- und Bahnverantwortlichen die gewaltige Zeitspanne von 200 Jahren zu verdeutlichen, überreichte er ihnen einen Plastikbaum - ¸¸damit sie in 200 Jahren auch noch Freude an dem Baum haben". Dazu gab es T-Shirts mit dem Aufdruck ¸¸200 Jahre Pumpreinigung. Besser als gar nichts."

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