Chronik

April 2000

Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Bahn, IVECO und dem Landratsamt sind in einer Sackgasse. Landrat Hans Vollhardt sieht eine Behördliche Anordnung zur Durchführung weiterer Untersuchungen als einzige Möglichkeit, eine Sanierung des Geländes zu erreichen. Gleichzeitig schlägt das Wasserwirtschaftsamt München Alarm. Die Werte, die im nördlichen Abstrombereich des Geländes gemesser werden, gebieten eine s o f o r t i g e Sanierung des Grundwassers, so Horst Hofmann vom Wasserwirtschaftsamt. Die Eltern des am ehemaligen Bahnschwellenwerk angrenzenden Kindergarten "Im Dachsbau" sind besorgt um die Gesundheit ihrer Kinder und fordern sofortige Schadstoffmessungen beim Kindergarten. Sie halten eine sofortige Sanierung des gesamten Areals für unerläßlich. Das Bayerische Fernsehen zeigt einen Filmbericht über die Vergiftung des Kirchseeoner Grundwassers rüttelt die Bürger auf. Die Sanierung des Geländes wird wieder Gesprächsthema in Kirchseeon.

Mai 2000

Die Bahn spielt auf Zeit. Dr. Matthias Dombert, Rechtsanwalt der Deutschen Bahn AG und des Bundeseisenbahnvermögens (Rechtsnachfolger der Deutschen Bundesbahn im Bereich Vermögensverwaltung), stellt unmißverständlich klar, dass er im Falle einer berhördlichen Anordnung den Klageweg beschreiten und demonstrieren wird, "wie schön Jura ist" (Süddeutsche Zeitung 04.05.2000). Dombert hält es für seine Mandanten schlichtweg unakzeptabel, die Sanierungszielwerte innerhalb des Geländes des ehemaligen Schwellenwerkes einzuhalten. [ mehr... ]

Obwohl ihm dabei gar nicht wohl war, erläßt Landrat Hans Vollhardt - bestärkt durch den öffentlichen Druck - die behördliche Anordnung zur Durchführung weiterer Untersuchungen und zum Erstellen eines Sanierungskonzeptes.

Eine Unterschriftenaktion zur Erstattung einer Strafanzeige gegen die Bahn wird ins Leben gerufen. [ mehr... ]

Juni 2000

Die Bahn legt Widerspruch gegen die Anordnung ein. Die SPD veranstaltet einen Informationsabend über die Sachlage zur Sanierung. Die Bürger sind nicht mehr bereit, der "Zeitverzögerungstaktik" der Bahn untätig zuzusehen. Die Idee, eine Bürgerinitiative zu Gründen, wird geboren.

Am 30. Juni 2000 findet in der Gaststätte "Brückenwirt" die erste öffentliche Veranstaltung der Bürgerinitiative statt. Die Bürgerinitiative will nicht gegen eine Sache oder Behörde sein, sondern dafür! Der Anordnung des Landrats soll Nachdruck verliehen werden, den Behörden soll "der Rücken gestärkt" werden. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit soll die Bahn zum Handeln gezwungen werden.

Juli 2000

Die Süddeutsche Zeitung veranstaltet eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Bahn, des Landratsamtes, des Wasserwirtschaftsamtes und Christa Stewens, der damaligen Staatssekretärin im Umweltministerium. Die Veranstaltung stößt auf großes öffentliches Interesse. Die in Gründung befindliche Bürgerinitiative ist mit einem Informationsstand präsent, wo sich die Bürger anhand des Geruchs einer Grundwasserprobe selbst vom Ausmaß der Vergiftung überzeugen konnten. Nach dieser Veranstaltung werden aufgrund des Vermittlungsangebotes von Frau Stewens die Verhandlungen zwischen Bahn und Landratsamt wieder aufgenommen. Die Anordnung ist dennoch nicht außer Kraft. [ mehr... ]

August 2000

Die Bürgerinitiate "Wasser ist L-EBE-N e. V." wird formal gegründet. An Wochenmärkten ist sie mit Informationsständen vertreten, um viele Bürger zu informieren und um Mitglieder zu werben. Reger Schriftverkehr mit Mandatsträgern aller Parteien wird aufgenommen. [ mehr... ]

September/Oktober 2000

Die Verhandlungen drohen trotz Vermittlerin Stewens schon wieder in einer Sackgasse zu landen. Ein Einlenken der Bahn kommt in letzter Minute. [ mehr... ]

"Sind unsere Brunnen in Gefahr?": Mit Vertretern von Bahn, Wasserwirtschaftsamt, Landratsamt und Gemeindevertretern aus Kirchseeon informiert die Bürgerinitiative alle Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte des nördlichen Landkreises in Markt Schwaben. [ mehr... ] Da der Ebersberger Forst für die Trinkwassergewinnung heutiger und künftiger Generationen unverzichtbar ist, verabschieden die anwesenden Gemeinden eine gemeinsame Resolution, mit der eine dauerhafte und nachhaltige Sanierung erwirkt werden soll.

Januar 2001

Neujahrsempfang_mit_StoiberVertreter der Bürgerinitiative werden zum Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber eingeladen. Mit einer Geruchsprobe des Kirchseeoner Grundwassers konnte auch Stoiber von der Notwendigkeit einer sofortigen Sanierung überzeugt werden. Das Thema "Bahnschwellenwerk" wird im Bayerischen Landtag zum Tagesordnungspunkt.

Februar 2001

Nach langen Verhandlungen und zahlreichen Aufschüben kommt es endlich zur Unterzeichnung eines Vertrages. Inhalt dieses öffentlich rechtlichen Vertrages ist jedoch noch nicht die Sanierung des Geländes, sondern lediglich die Erstellung eines Sanierungskonzepts zur unmittelbaren Gefahrenabwehr. Wenn alle Arbeiten gemacht sind, die hier ausgehandelt wurden, dann ist das Gelände noch nicht einmal so saniert, dass es betreten werden darf. An eine Nutzung des Geländes z. B. durch Bebauung ist überhaupt noch nicht zu denken!

März 2001

Die Bürgerinitiative gibt sich mit dem vielzitierten "Vertrag" nicht zufrieden und fordert eine gründliche Beseitigung des Giftes! [ mehr... ]

Weitere Meßstellen in Kirchseeon werden nicht durch die Bahn, sondern durch das Wasserwirtschaftsamt eingerichtet.

Juni 2001

In einer "Spontan-Konferenz" im großen Sitzungssaal des Kirchseeoner Rathauses, die nur einen Tag vorher angekündigt wurde, gibt die Bahn bekannt, dass mit den Messungen begonnen werden soll.

Juli 2001

Erste Messungen zeigen Rückstände von PAK am Spannleitenberg, also weit nördlich des Schwellenwerk-Geländes. Die Behörden schweigen. Die Bürgerinitiative informiert ihre Mitglieder mit einem Rundschreiben.

Oktober 2001

Jahreshauptversammlung der Bürgerinitiative. Offizieller Startschuß für die Unterschriftenaktion, mit der eine gründliche Beseitigung des Giftes gefordert wird. [ mehr... ]

Dezember 2001

Für besondere Verdienste durch Zivilcourage wurde die Bürgerinitiative "Wasser ist Leben e. V." am 8. Dezember 2001 für den "Tassilo-Preis" der Süddeutschen Zeitung nominiert.

Die Kandidaten, die von den über 300 Nominierten ausgewählt werden, erhalten eine Medaille und einen Geldpreis.

Der Tassilo-Preis ist ein Kulturpreis, der in diesem Jahr zum zweiten Mal seit 1999 von den Lesern verliehen wird. Die Entscheidung über die Preisvergabe wird Mitte Dezember fallen. Die Verleihung findet im Januar 2002 in München statt. [ mehr... ]

Juni 2007

Unter dem Motto "Bayerns größter Altlastenfall sucht einflussreichen Koordinator/Schirmherrn" schreibt die Bürgerinitiative an Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber [ mehr... ]